Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 20)
- Language
- German
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44 נ H. Graeiz als Darsteller der Systeme sich aus ihnen andere Wahrheiten und Satzungen herleiten lassen oder nicht. Das kann man wahrnehmen schon im Pentateuch bei gewissen besonders feierlichen Wendungen, z. B. in der Offenbarungsgeschichte, bei der Aufforderung zum monotheistischen Bekenntnis, dann Levit. c. 19, wo jedoch das Moralische gegenüber dem Zermonialen noch nicht so deutlich als das Wesentliche herausgehoben wird, was aber entschieden bei den Propheten und den Psalmisfen, den klassischen Interpreten des Judentums, der Fall ist, z. B. Jesaja 1, •10 ff., Micha 6, 6 ff., Pss. 15. 24. 50, 16 ff. ja auch Midrasch und Talmud lassen keinen Zweifel daüber, daß sie bei aller peinlichen Hochhaltung des Zermonials das Moralische als Wesen und Endzweck aller Religiosität betrachten, und es liegt zugleich auf der Hand, daß wenn z. B. R. Akiba — und eigentlich schon Hille! — im Nächstenliebegebot einen »großen Grundsatz« erblickt, er dies nicht in jenen! formallogischen, subsumierenden Sinne, sondern lediglich im Sinne des inhaltlich Wesentlichen und Schwerwiegenden gemeint hat, wie denn auch Albo jenen bekannten Hinweis des R. Simlai (Babli Makk; 24 a) auf gewisse zusammenfassende Kernsprüche der Schrift insofern nicht adäquat auffaßt, als er dem R. Simlai unterstellt, er habe gemeint, mit jenen Kernsprüchen hätten zur Erleichterung der Erfüllung des göttlichen Willens einige wenige Grundsätze (כללים) bezeichnet sein wollen, unter welche alle anderen oder die meisten Gottesgeböte subsumiert seien, während er sicherlich an derartige logische Operationen gar nicht gedacht, sondern nur das Wesentliche aller Religion hervorzuheben beabsichtigt hat. ja, auch die erste Mischna im Abschnitt Chelek (Traktat Sanhedrin), die Jakob Guttmann (über Dogmenbiidung im Judentum, S. 5) mit Recht als ernsteren »Ansatz zu einer Dogmenfixierung« bezeichnet, nennt nur Lehren, die gegenüber gewissen herrschenden »Zeiterscheinungen,« denen es zu opponieren galt (wie Judenchristentum, Sadduzäismus), wichtigste Bedingungen für ein Teilhaben an der »künftigen Welt« angeben, nicht aber etwa als Prinzipien gelten wollen, aus denen der ganze übrige Lehrgehalt des Judentums fließe, wie das schon aus den Hinzufügungen des