Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 19)
- Language
- German
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der jüdischen Religionsphilosophen. 143 in sich, sodaß schließlich doch 8, wie bei Creskas, herauskommen (so Graetz, nach Ikkar. I, 15 eigentlich 10 oder 11), an die geglaubt werden müsse, wenn man selig werden wolle. Dagegen gebe es noch 6 andere Punkte des Glaubens, nämlich an die Schöpfung aus Nichts, an Moses7 höhere Prophetie, an die Unveränderlichkeit der Thora, an die Ewigkeit des Seelenheils durch treue Erfüllung auch nur eines der Religionsgebote (das. III, 29), an die Auferstehung und endlich an die einstige Erscheinung des Messias, deren Leugnung zwar auch eine Art Ketzerei bedeutet, aber weil nicht gerade aus jenen 3 Grundartikeln mit Notwendigkeit fließend, die Seligkeit nicht verwirke (Ikk. 1, 23, Graetz das. S. 166). Auch Wahlfreiheit, von Creskas als nicht zu erlassender Glaubenspunkt betrachtet, gehört nach Albo (Ikk. I, 15) nicht zu den unbedingt zu glaubenden Dingen. — Graetz entwickelt alle diese dogmatischen Gedanken Albos recht anschaulich und kritisiert sie mit Recht als nicht durchweg mit der Logik übereinstimmend, wie dies auch die Hineinziehung kabbalistischer Elemente bezeugt1)- Vor allem aber verursache Nichtbefriedigung die bereits erwähnte Beherrschtheit durch Christliehe Ideen. — Ich möchte nun meinerseits die Verfehltheit der dogmatischen Behauptungen Albos schon in seiner Methode erblicken, vermittelst deren er seine Glaubensartikel aufsucht und sie in den Lehren glaubt gefunden zu haben, aus denen alle anderen als ableitbar, als in ihnen befaßt, sich erweisen. Diese rein logisch-dogmatische Methode zur Feststellung dessen, dessen gläubige Annahme die Zugehörigkeit zum Judentum bedingt, kann nicht als genuin jüdisch angesehen werden. Jüdisch ist nicht die Frage nach den so zu sagen formal-logisch fruchtbaren Momenten, unter die sich alle übrigen subsumieren lassen, sondern allein die Frage nach den Momenten, die ihrem inneren Gewichte nach als wesentliche, zum Wesen des Judentums gehörige gelten können, gleichviel ob ג) Vgl. auch Albos Unfähigkeit, sich von den astrologischen Vor- Stellungen des Talmuds loszumachen, in Ikkar. IV, 4.