Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 18)
- Language
- German
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142 H. Graetz als Darsteller der Systeme Hoffnung auf die messianische Erlösungszeit sei höchstens eine innerhalb des jüdischen Stammes sich fortpflanzende Überlieferung, aber kein unerschütterlicher Glaubensartikel«, womit er Freilich, gleich seinem Lehrer, eine überaus wichtige, erhabene Grundidee des Judentums ganz und gar verkennt, v/ie wir gleich noch näher dartun wollen. Albo scheint in der Tat mit jenen, wie man sagen möchte, unbewußt christelnden Denkweisen die Ein- Wirkung zu verraten, die, wie Graetz sagt, die christliche »Umgebung auch auf diejenigen, welche bemüht sind, deren Einfluß von sich abzuwehren,« ausübt. Vielleicht hatte hieran auch die Zeit der Religionsdisputationen — Albo war bekanntlich selbst in die besonders langwierige Tortosanische Religionsdisputation als hervorragendster Vertreter des Judentums verwickelt — ihren Anteil, indem das Verteidigungsinteresse es dem nicht allzu scharf denkenden Manne nahelegen mochte, gewisse schönklingende »Heilswahrheiten,« wie Seelenrettung, Erlösung, Konzentrierung alles Denkens auf die jenseitige Seligkeit auch als jüdische Begriffe auszugeben, obgleich davor eine genauere Beachtung der hier obwaltenden Grundverschiedenheit der Prinzipien hätte bewahren sollen. — Freilich, wenn man Titel und Tendenz des Buches ins Auge faßt, sollte man dessen Stärke gerade in der genaueren Erfassung der Prinzipien anzutreffen erwarten. Albo hat ja mit seiner Untersuchung, wie Graetz treffend sagt ■VIII2, S. 127), eben vor, »die wesentlichen Glaubenslehren des Judentums von den unwesentlichen zu scheiden und die Grenzlinien zwischen Gläubigkeit und Ketzerei festzustellen.« Zu diesem Behufe unterzieht er die 13 Glaubensartikel des Maimonides und ebenso die von Creskas und Anderen aufgestellten einer Kritik und kommt schließlich zu dem Ergebnis, es gebe in Wahrheit nur drei Glaubens wurzeln (עקרים), sich beziehend auf das Dasein Gottes, die Offenbarung am Sinai und die Vergeltung (Lohn und Strafe). Mit diesen 3 Glaubenswurzeln stehe und falle die ganze jüdische Religion, wie auch von deren gläubiger Hinnahme die künftige Seligkeit abhänge (Ikk. I, 3. 4. 10. 22 u. a. v. a. St). Diese 3 Grundartiket befaßten allerdings noch andere