Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 16)
- Language
- German
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140 H. Graetz als Darsieller der Systeme doch, wie unumgänglich sie auch für den Bekenner des Judentums seien, die Dignität von absoluten Bedingungen für den Bestand der Thora abspricht. Vermißt könnte hier werden die Erwähnung der Annahme Chasdais von 6 den Bestand der Thora wohl unausweichlich bedingenden Grundsteinen der Thora (פנות התורה): bezüglich der auf Alles (Einzelnes wie Allgemeines) sich erstreckenden göttlichen Allwissenheit und Vorsehung, der göttlichen Allmacht, der Prophetie, der Wahlfreiheit und desZweckes (Or Ad. II Anf.). Dagegen informiert uns schließlich Graetz gewiß sehr zutreffend, Creskas habe bei der Aufstellung seiner Glaubensartikel sich »mehr vom Talmud als von folgerichtiger Gedankenstrenge leiten lassen«, wie er denn verwunderlicher Weise, im Gegensätze zu Maimonides, der bekanntlich die ganze talmudische Dämonologie ignoriert, deren Dasein verteidigtund in nach manischer Art an den Einfluß von Beschwörungsformeln und magischen Kameen glaubt (Or Ad. IV, 5). Sein gesunder Sinn habe indessen Creskas »vor den Kindereien der Kabbala,« insbesondere vor deren Seelenwanderungslehre bewahrt (Graetz VIII2, S. 92). Beiläufig sei hier der großen Klarheit gedacht, mit der Graetz im 7. Bande, 2. Aufl., S. 65—82 auch die Grundzüge der phantastischen Spekulationen eben der Kabbala, von denen sich sogar Nachmanides, »dieser klare haarscharfe Denker«, habe umgarnen lassen, zu zeichnen versteht. Auf wenigen, Blättern gibt er lichtvollsten Aufschluß über Ursprung, Inhalt, Wesen und Wert dieser dem Judentum und der Vernunft gleicherweise ins Gesicht schlagenden »Afterreligion und Afterphilosophie,« wie Graetz anderweitig (VIII2, S. 167) die Kabbala nennt, über deren Verfehltheit und doch auch zu verstehenden Bedeutung gegenüber der durch manche Maimunisten verursachten Verflachung, über den philosophischen Anstrich, den sie noch bei den spanischportugiesischen Kabbalisten zeigt, über deren Ausartung dagegen in abergläubische Zahlenmystik und Buchstabenversetzung bei den deutschen Frommen vom Schlage eines Eleasar aus Worms. Das Buch Josef Albos von den Grundlehren (Ikkarim) ist das letzte, schon sehr die Zeichen des Verfalls des streng