Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 13)
- Language
- German
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der jüdischen Religüonsphiiosophen. 137 Maße eignet (das. I, 13). Diese ganz besonders eximierte Wertung der intellektuellen vor den ethischen Vorzügen zeugt doch gar sehr von dem starken griechischen Einfluß, welchem Gersonides unterliegt. Die Bevorzugung des Ethischen würde mehr, oder eigentlich allein der Bibel und auch dem Talmud entsprochen haben. Wir können übrigens ähnliche Gedanken auch bei Jehuda Halevi gewahren (vgl. Kusari 5, 12); aber es sind bei ihm gleichsam nur Anwandlungen; schließlich verwirft er all dergleichen als Willkürlichkeiten und meint, wir sollen und dürfen uns beruhigen bei unseren Überlieferungen von der Messiaszeit, der Totenauferstehung und der künftigen Welt, wir brauchten nicht »die künstliche Erweisung der Fortdauer der Seele nach dem Vergehen des . Körpers« (תחבולה בהשארת הנפש אחר כלות הגוף). Es spricht sich darin zweifellos eine gesunde Reaktion gegen die gar zu starken Anlehnungen an die Griechen, wie wir sie eben auch bei Gersonides antreffen, aus; aber Jehuda Halevi nimmt wieder alles zu konservativgläubig hin, wogegen Gersonides auch das Dogma von der Auferstehung geistreich dahin deutet, daß damit die individuelle und zugleich universelle, d. h., im Gegensatz zu Saadja und Jehuda Halevi, auf jeden Menschen sich erstreckende göttliche Vorsehung gelehrt werde (כאלו תאמר להקנות לאנשים כלם בעת ההיא אמונה שלמה: בשם יתברך .. . כמו שיעד ואמר אז אהפוך אל עמים שפה ברורה וגו׳ Milch. Ad. VI, 2 T., 10). Auch Graetz hebt die individuelle Unsterblichkeitslehre des Gersonides nach einer anderen charakteristischen Seite hervor, nämlich im Gegensatz zu »der damals herrschend gewordenen Ansicht (Averroismus), welche die abgeschiedene Seele In dem Weltgeiste ganz und gar aufgehen und verschwinden läßt« (Graetz VII, S. 350). Erwägt man, in welch desolatem Zustande das religionsphilosophische Hauptwerk des ChasdaiCreskas auf uns gekommen ist, so wird man es den Gelehrten Dank wissen, die, wie Joel, Bloch, Jul. G uttmann (Guthnann-Festschrift) die Ausführungen hn Or Adonai entweder als Ganzes, oder einzelne Teile zur Darstellung zu bringen, bezw. kritisch zu beleuchten sich bemüht haben. Aber auch Graetz gebührt die Anerkennung, daß er