Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 12)
- Language
- German
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136 H. Graetz als Darsteller der Systeme wurde, sondern wie es aus dem reinen Forschen nach der Wahrheit resultiert. »Die Ergebnisse seiner Untersuchungen sind zwar« — bemerkt Graetz mit Recht — »nach dem gegenwärtigen Stand der von den Menschen errungenen Einsicht ohne besonderen Wert; aber sein eifriges, unermüdliches Streben nach Wahrheit und Licht ist dadurch nicht geschmälert.« Von der Kühnheit, freilich nicht gerade von der Tiefe des Gersonides, zeugt sein gegenüber der hergebrachten Auffassung des biblischen Schöpfungsberichts beobachtetes Festhalten an dem Satze: »Aus Nichts wird nichts,« wonach angenommen werden müsse — was allerdings nach seiner Meinung mit dem Schriftwortlaut wohl in Einklang steht — daß Gott die Welt nicht aus dem absoluten Nichts, sondern aus einer Art Urmaterie geschaffen habe, jedoch — das wäre zur Ergänzung der Graetz’schen Darlegung noch zu erwähnen — nur die materielle Welt ist aus einer Urmaterie geschaffen, »die Welt der Geister« (עולם השכלים) dagegen ist auch nach Gersonides aus dem absoluten Nichts ins Dasein gerufen worden, wie es heißt: »Es werde Licht.« Unter »Licht« versteht hier Gersonides offenbar die geistige Welt (vgl. Milch. Ad. VI, 17). Auch habe Gott die Weltschöpfung selbst ohne Hilfe von Mittelwesen bewirkt und erst für die Hervorbringungen nach der Schöpfung sich der Mittelwesen bedient(das. VI Teil 2,10), — Hinsichtlich der göttlichen Attribute — was ferner zur Ergänzung angeführt sein mag — scheint Gersonides geneigt, diese nicht wie Maimonides lediglich in negativem, sondern in positivem Sinne und zwar als höchste Vollkommenheiten zu verstehen (das. III, 3), ja, was ihn in gar bedenklicher Nähe der griechischen Philosophen erscheinen läßt, er nimmt unter den göttlichen Attributen auch das der Seligkeit an (das. V, 12). Das hängt offenbar zusammen mit der noch weiter, als wie es bei Maimonides wahrgenommen wird, getriebenen Vorstellung von der durch geistige Vervollkommnung — durch Wissen und Erkenntnis — bewirkten Seligkeit, wie sie namentlich nach dem Tode, wo der Intellekt der das geistige Streben hemmenden Materie entlastet ist, dem Menschen zuteil wird und natürlich Gott, als ^em Urquell alles Wissens und Erkennens, in unendlichem