Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 10)
- Language
- German
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184 FL Graeiz als Darsteller der Systeme lose Wissen Gottes und dessen Übertragung auf die Propheten, sowie über die Lösung des Problems, wie mit dem göttlichen Wissen die menschliche Willensfreiheit zusammen zu denken sei. Gott wisse eben alles entsprechend seiner Natur, das wahrhaft Wirkliche als solches und das wahrhaft Mögliche, wie es eben die menschliche Willensfreiheit bedingt, als solches. Mit trefflicher Übersichtlichkeit faßt sodann Graetz in einer Reihe bündiger Sätze die Philosophie des Maimonides, als in welcher gewissermaßen die reife Frucht aller bisherigen religionsphilosophischen Arbeiten seiner Vorgänger zum Vorschein kam, zusammen. Maimonides gehe, im Gegensatz zu Jehuda Halevi, wieder von dem das philosophische Denken voll würdigenden Saadja aus, überhole ihn aber mit seinen ebenso kühnen, wie hellen Gedanken. Auch Maimonides schließe sich wie Abraham ibn Daud dem auch von ihm hochverehrten Aristoteles an, jedoch nur im Hinblick auf dessen Ansichten über die unterhalb der Mondsphäre befindlichen Geschöpfe, in bedingter Weise aber hinsichtlich der aristotelischen Anschauungen über die obere Welt. Graetz gibt nun einen, soweit das in einem allgemeinen Geschichtswerk möglich und nötig ist, erschöpfenden Bericht von der reichen Ideenentwtcklung im More und den anderen Maimonidischen Werken in Bezug auf Metaphysik, Ethik und spezifisch religiöse Momente, Es würde vielleicht diesen Bericht in seinem Werte noch gesteigert haben, wenn darin bezüglich der Metaphysik die m. E. noch heute anwendbare bedeutsame Distinktion des Maimonides ausdrücklich erwähnt worden wäre, wonach aus Eigenschaften der bereits geschaffenen Natur nichts geschlossen werden dürfe für die Art der Weltschöpfung selbst (More II, 13). Damit sind, ja eigentlich nicht nur die antiken, sondern auch die modernen Kosmogonien eines Darwin und Hackel widerlegt, da diese ihre Argumente von der an der be״ reits bestehenden Welt wahrzunehmenden Gesetzlichkeit her״ nehmen, während das Dogma von der Weltschöpfung von dieser bereits geschaffenen Gesetzlichkeit ganz unberührt bleibt. Ferner bezüglich der Ethik, daß Maimonides sich zwar sehr stark in