Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
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der jüdis-chen Religionsphüosophen. 133 zwei Jahrzehnte nach Jehuda Halevi das von diesem so niedrig eingeschätzte philosophische Forschen als durchaus nützlich und nötig hinstellen konnte und auch parallel damit das Rituaigesetz, das Jeh. Halevi gemäß seinem nationalistischen Standpunkte an die höchste Stelle gesetzt hatte, mehr im Sinne der Propheten zu unterst rangiert und die sittlichen Forderungen als das eigentliehe Ziel aller philosophischen Theorie auffaßt. Das Rituaigesetz sei aber gleichwohl nicht gering zu achten, vielmehr, obschon in seinen Gründen unerkennbar, doch gerade darum als Bezeugung des Gehorsams gegen Gott von einem eigenen hohen Wert. Ferner belehrt uns Graetz, wie auch der von ihm mit Recht zwar nicht als ein origineller, schöpferischer, aber doch als ein »verständiger, klarer Geist« charakterisierte Abraham Ibn Baud, wie so viele andere, gewissermaßen ein Opfer des Aristotelismus wird, indem er sich gemüßigt sehe, anzunehmen, man könne Gott nicht mit dieser niedrigen Welt in irgend welche unmittel־ bare Verbindung bringen. Man könne höchstens meinen, »Gott habe die Ursubstanz mit der Urform ins Dasein geruFen, die wesenhafte Gestaltung der Welt aber sei sicherlich von den Mittel wesen ausgegangen«. Diese Mittelwesen seien die biblischen Engel. Abraham Ibn Daud nimmt auch, wenngleich er nicht wie jehuda Halevi den jüdischen Nationalismus markiert, doch in midraschischer Weise — was vielleicht Graetz zur schärferen Charakterisierung noch hätte anführen sollen — Nationalengel für Israel und die anderen Völker an, verwahrt sich jedoch dagegen, als ob solcher־ Engel oder solches Mittelwesen irgendwie verehrt oder angebetet werden dürfte, »Gott ist einzig und Weltengott. Wir sagen bloß, daß seine Wirkungen den Weg der Vermittlungen nehmen« (Em. rama, ed. Weil, S. 85 und 87). Wir sehen so, wie der Aristotelismus die jüdischen Denker zwar den jüdischen Glaubensinhali in manchen Stücken nicht ganz adäquat auf zu fassen, aber ihn nie in seinen Hauptpunkten aus den Augen zu verlieren und zu trüben veranlaßt. — Schön und klar faßt Graetz Ibn Dauds Ansichten zusammen über die Geistigkeit und Unsterblichkeit der Seele, über das zeit-