Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 8)
- Language
- German
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132 H. Graetz als Darsteller der Systeme ,Schmecket und schauet, daß Gott gut ist4. Und in Wahrheit heiße er deshalb ,Gott Israels4, weil eben dieses Schauen bei den andern fehlt« (das. IV, 17). Dieser wohl schon in manchen Midraschim vorkommende, aber von Jehuda Halevi unleidlich auf die Spitze getriebene mystische Nationalismus führt ihn schließlich zu dem ganz unprophetisdien und eigentlich auch untalmudischen Glauben, um die Völker kümmere sich Gott nicht, sie seien nur der Natur und dem Zufall überlassen (das. LV, 3), wie zu der Behauptung: »Der geringste unter den Bekennern der Lehre Gottes steht auf einer weit höheren Stufe als der vorzüglichste unter den Vorzüglichen der Völker, denn die Thora, die von Gott ist, macht den Seelen die Weise der Engel zu eigen usw.« (das. V, 20). All dergleichen Äußerungen muten als Übertreibungen des hochgespannten, zur Mystik neigenden Dichterphilosophen an, isnd wir hätten erwarten mögen, daß Graetz ihrer ausdrücklich erwähne und sie nicht ganz unbestimmt mit dem Worte »Schwächen« nur leise andeute, oder mit der bloßen Erwähnung der Minder- Wertung der Proselyten sich begnüge. Er mochte aber, wie es scheint, das mit so großer Liebe gezeichnete Bild des ihm besonders sympathischen Helden nicht durch das Hineintragen irgend eines tieferen Schattens trüben, zumal ja Jeh. Halevi schließlich auch seinerseits der erhabenen Menschheitlichkeit der Propheten und ihrem messianischen Universalismus mit jenem herrlichen Gleichnis von dem in die Erde gesenkten Samenkorn gerecht wird, wonach alle Nationen vermittelst der vorbereitenden Arbeit des Christentums und des Islams zum Heile der jüdischen Wahrheit vorzudringen berufen sind- Es besteht also am Ende zwischen Bachja Ibn Pakuda und Jehuda Halevi nicht eigentlich hinsichtlich des Universalismus und Partikularismus ein Gegensalz, sondern darin allein möchten sie sich letztens von einander unterscheiden, daß jener vornehmlich im religiösen Individualismus, dieser im religiösen Nationalismus seine Orientierung gewinnt. Sehr gut zeigt Graetz, wie Abraham Ibn Daud schon