Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 7)
- Language
- German
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der jüdischen Reiigioiisphilosophen. 131 bestehen könnte; aber sie seien für Israel tatsächlich nur Voraus- Setzungen und Vorbereitungen, gewissermaßen nur die Unterstufe für das Zeremonialgesetz, durch welches die Israeliten einen göttlichen Vorzug vor allen anderen Völkern gewinnen (Kusari II, 48). »Ist es denkbar« — ruft ]eh. Hai. aus — »daß ein Israelit zwar Recht ausübte und Wohltun liebte, aber die Beschneidung, Sabbat und Passah beiseite ließe und dabe! glücklich wäre« (ויצליח)? (das.). Er meint wohl mit letzterem gewichtigen Ausdruck nicht etwa »das Seelenheil«, wie später Albo, sondern das zweifellos tief Beglückende, das Gemüt immer wieder in die seligste religiöse Stimmung Versetzende und über alles irdische Elend Hinaushebende des jüdischen Zeremoniais, wie es später der Chazarenkönig selber (das. III 10) so anschaulich schildert Der Israelit bringe durch seine Sabbat- und Festfeier ein Sechstel seines Lebens in einer Seligkeit und einer Ruhe hin, »zu der sonst selbst Könige nicht gelangen«, und die Nachahmung seitens anderer Völker verhielte sich zum jüdischen Original wie Gestalten von Bildern zu Gestalten lebendiger Menschen (das. III 8). Ja, im weiteren erscheint als Konsequenz der prinzipiellen Zurück- Weisung der philosophischen Spekulation und der Mindergraduierung der Moralgebote gegen die Zeremonialsatzungen der von Graetz, wie ich sehe, nicht, oder nicht genügend beachtete mystische Einschlag bei Jehuda Halevi. Der richtige Segulla- oder Herzmensch, eben der Israelit, empfinde infolge seiner durch den Zeremonialdienst vermittelten Verbindung mit Gott eine unsägliche Süßigkeit, die ihn befähige, für sie mit Freuden den Märtyrertod zu erleiden, »im Gegensatz zu den Philosophen, welche nur in guter Moral und im Wahrheitreden den Gottesdienst erblicken« (das. IV, 15). Es sei auch nur Gott als El oh im, der durch Philosophie erkannt werden könne, nicht Gott als IHWH, den man allein durch Schmecken und Schauen, durch mystisches Fühlen erfaßt (das.IV, 10), wie darum schon Abraham den göttlichen Befehl vernimmt, »alle spekulative Weisheit zu lassen und nur dem Dienst dessen sich hinzugeben, zu dem man nur durch Schmecken gelangt, wie es heiße: d*