Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 6)
- Language
- German
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180 H. Graetz ab Darsteller der Systeme bindung mit dem Dringen auf eine vernunftmäßige Erfassung des Judentums trotz seiner asketischen, weitabgewandten Anschauungen, die Graetz gut schildert, einen offenen, ja geradezu universeilen, menschheitlichen Blick (dessen Erwähnung wieder bei Graetz vermißt werden könnte), wenn er (das. 11) — ähnlich wie später Maimonides (Moreh III46, Mischnakommeni zu Chelek) — die Forderung ausspricht, daß die Wahrheiten der jüdischen Religion, wie namentlich der Monotheismus, auch vor allen Menschen als vernunftgemäß erwiesen werden, »denn dies ist ja eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Völker«, oder, wenn er unter Betonung des Primats der geistigen Gotteserkenntnis und inneren Gottesverehrung eben diese letzteren als dem Menschen, der Gattung Mensch, geltend hinstellt (Herzenspflichten III 2 u. 6), während die Zeremonialgesetze nur für die Israeliten gegeben sind. Eben mit dieser universalistischen Richtung erscheint Bachja gegen Jehuda Halevi zunächst im Vorteil; nach Graetz allerdings, wie aus dessen sehr idealisierenden Ausführungen über diesen jüdischen Denker und Dichter erhellt, besteht des letzteren Stärke und Vorzug gerade in seinem ausgeprägten Nationalismus. Jeh. Halevis System verrate zwar »dem tiefen Blicke« auch »schwache Seiten«, enthalte aber doch »viel Wahres, vor allem ist es national, und der Weg, den er eingeschlagen, ist der einzige, der zum richtigen Verständnis des Judentums führt« (Graetz VI2, S. 144L). Man erkennt in diesem Schlußurteil, überhaupt in dem ganzen voraufgegangenen durchaus verherrlichenden Referat den Mann, der schon in seiner frühen Jugend »mit besonders schwärmerischer Begeisterung Juda Halevi« studierte (Brann, H. Graetz in Monatsschr., Sonderh. z. 100. Geburtstage v. H. Graetz S. 325), und etwas später in der »Konstruktion der jüdischen Geschichte« im national-politischen Judentum dessen Seele erblickt (Cohen, Graetzens Philosophie d. jüd. Geschichte das. S. 358 f.). Die rein moralischen Gesetze, die auch Jeh. Halevi »vernunftmäßige« nennt, sind zwar natürlich auch ihm unbedingt notwendige Faktoren, ohne die selbst eine Räuberbande nicht