Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
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der jüdischen ]Religionsphilosophen. 129 Haben doch schon die Propheten, ja auch die Talmudlehrer die gleiche Sonderung und Bevorzugung wenn auch nicht in streng philosophierender Form, aber doch deutlich genug ausgesprochen, wie sich denn Bachja selbst immer wieder auf sie beruft. Das Richtige ist wohl, daß Bachja als derjenige jüdische Denker erscheint, der gegenüber der eingerissenen religiösen Veräußerlichung auf jene prophetisch-talmudische Sonderung und Bevorzugung am schärfsten hingewiesen hat. Übrigens hat sich auch Bachja trotz seiner klaren Einsicht in den so viel höheren Wert des Sittlichen gegenüber dem Zeremonialen sowenig wie Saadja über die Klassifizierung der Gebote als schwerer und leichter nach dem größeren oder geringeren Strafausmaß für die zu erleidende Buße erhoben (vgl. Herzenspflichten VII 8)1). Fraglich .erscheint mir ferner, ob es nach Bachja so uneingeschränkt wie bei Graetz (das. S. 45) heißen darf, er habe dem Wissen nur einen untergeordneten Wert beigelegt, und die verschiedenen Disziplinen, wie Bibelforschung, Grammatik, spekulative Philosophie hätten nach ihm nur einen ganz untergeordneten Wert, da er doch gerade im Hinblick auf die letztere in der Einleitung (ed. Baumgarten, S. 4) sagt, wir seien verpflichtet, sie zu treiben, sie nehme den höchsten Rang ein, weil sie weit mehr noch als Naturwissenschaft, Mathematik, Astronomie, Musik, die uns der Schöpfer gleichsam wie Pforten zur Erkenntnis der Thora aufgetan, zu dieser zu leiten sich eignet, ja, er steht nicht an, die Lehren der »Frommen und Weisen«, der Philosophen eines jeglichen Volkes als wertvolle Stützen zur Begründung des Wahren und Guten heranzuziehen, und zwar unter Berufung auf den Talmud (Einl. das. S. 13). Die Pflicht der Naturerforschung schärft Bachja noch besonders ein in »Herzenspflichten« ll 2 und anderwärts, wogegen er, was Graetz richtig anmerkt, den Wert rein zeremoniai-talmudischer Fragen gering anschlägt. Überhaupt bekundet Bachja in Ver- נ) Wir begegnen solcher Erhebung im Geiste der Aga da überhaupi erst bei Maimonides. Vgl. meinen Beitrag zur Festschrift f. Ad. Schwarz »Etwas über die leichten und schweren Gebote etc.« S. 265f. Monatsschrift, 62. Jahrgang. 9