Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
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128 H. Graetz als Darsteller der Systeme platonischen Grübeleien — über Gott als Ursubstanz, über das Wort Gottes als Willen, welchem die allgemeine Wesensform und der allgemeine Wesens grün d und vermittelst dessen schließlieh alle Weltdinge bis zum tiefststehenden hinab entströmen —, einen faßlichen Begriff zu geben, einen Begriff, der, wenngleich wohl nicht dem Fachmann, der den Dingen bis auf den Grund nachzugehen begehrt, jedoch dem, der sich über die philosophischen Erscheinungen im Judentum im allgemeinen unterrichten will, vollkommen genügen kann. Viel dankbarer erscheint die Wiedergabe des Inhalts des so sympathischen Buches über die »Herzenspflichten« von Bach ja Ihn Pakuda. Da werden nämlich mit größter Klarheit alle die Elemente, die zur inneren Frömmigkeit gehören und deren eigentliebes Wesen ausmachen, wie Gottglauben, Gottvertrauen, Demut, Enthaltsamkeit in logischer Reihenfolge und fesselndem, geradezu erbauendem Vortrage dargelegt. Dieser dem Werke seinen Charakter aufprägende erbauende Inhalt — man denke nur an die einleitende wunderbar innige Bakkascha mit der bedeutsamen Vor- Stellung bezüglich des Lobgebetes als einer sittlichen Pflicht (י(בהוק מוסר הדעת ferner an die tiefreligiöse Ermahnung zum Ertragen der vom Feinde verursachten Leiden und zur Feindesliebe (Herzenspflichten IV3) — brachte offenbar auch die verhältnismäßige Kürze seiner Wiedergabe mit sich. Ein Erbauungsbuch muß eben selbst gelesen werden, muß unmittelbar auf den Leser wirken, um von ihm gewürdigt zu werden. Es galt hier hauptsächlich nur die Richtung der Denkweise zu markieren, deren Charakteristikum in der nachdrücklichen Betonung der inneren Pflichten, der Gesinnung und der Absicht im Gegensatz zu dem bloß äußerlichen Tun besteht. Bezweifeln möchte ich nur, ob dies schon die Be- Zeichnung »originelle Moraltheologie« (Graetz VI, S. 43) und gar die Bemerkung rechtfertige, Bachja habe »wie die hei denchristlichen Lehrer in den ersten Jahrhunderten das Judentum in zwei Bestandteile, in das Reinreligiöse, Sittengesetzliehe und in das Zeremonialreligiöse« zerlegt und »dem ersteren viel höheren Wert als dem letzteren« eingeräumt (das. S. 44).