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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 2 · p. Seite 127

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 2
Article
H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
Date
1918-01-01
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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H. Graetz als Darsteller cf.Systeme d. jüdischen Religionsphilosophen. 127 ein Oberhaupt der suranischen Hochschule wagen, an Pantheismus anklingende Gedanken zu äußern, vollends aber in dem Hauptwerke Emunoth we-Deoth alle Glaubenslehren und Gebote des Judentums als der Vernunft gemäß und mit ihr harmonierend zu bezeichnen, ja, auch Wunder und Prophetie haben im Judentum nur insoweit beweisende Kraft, als sie der Logik und Moral nicht widersprechen. Das vernunftmäßige Erkennen der religiösen Wahrheiten aber hindert nicht nur nicht, sondern fördert geradezu die innigste Liebe und Hingebung zu Gott, die herzlichste und beglückendste Frömmigkeit, sowie die gesunde Erfassung der Ethik als einer die menschlichen Triebe im Gleichgewicht haltenden und so alle zu heilsamer Zusammenwirkung anleitenden Disziplin. All das, insbesondere auch die Polemik .Saadja's gegen die Karäer und die zeitgenössischen Freigeister in der Art eines Chiwwi aus Balch, und, um auch Saadja’s Schwächen nicht zu verschweigen, die Gewaltsamkeit, mit der er zuweilen das Schriftwort umdeuiet, um es mit der Vernunft in Harmonie zu bringen, sein Befangenbleiben zumal in der krassen volkstümlichen Eschatologie — all das kommt in Graetzens Darstellung zu plastischem Ausdruck. Zur Kennzeichnung der zwar für den Anfang sehr achtungswerten, aber tatsächlich doch noch unzulänglichen Religionsphilosophie Saadjas wäre nur wohl auch noch hinzuzufügen gewesen, daß er zeremoniale und moralische Gebote nicht konsequent auseinanderhält und ihm in völliger Anlehnung an die Halacha das Kriterium für »schwere« und »leichte« Gebote nur in den für deren Übertretung angegebenen schwereren und leichteren Strafen besteht. Es war verhältnismäßig leicht, in engem Rahmen die immerhin an Reales und Konkretes anknüpfende Saadjanische Philosophie anschaulich zu machen, dagegen gar schwer, die äußerst subtilen Abstraktionen eines Salomo Ibn Gabirol dem Verständnis näher zu bringen. Man denke nur an die so hingebenden Bemühungen Jakob Guttmanns, den Inhalt des Mekor Chajjim in seinem bez. gediegenen Buche auseinanderzuiegen. Aber Graetz bringt es doch fertig, auch von diesen tiefsinnigen neu-

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