Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- H. Graetz als Darsteller der Systeme der jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
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126 H.Graetz als Darsteller d. Systeme d. jüdischenReligionsphilosoplien. Der Darsteller solcher Systeme mitten in den allgemeinen Geschichtserzählungen darf sich natürlich nicht wie der Monograph nach Belieben über alle Einzelheiten mit möglichster Gründlichkeit auslassen, sondern muß sich auf die Hervorhebung von Hauptzügen, wobei aber doch ein klares und möglichst vollständiges Bild von der Eigentümlichkeit eines jeden Denkers hervoriritt, beschränken, und Graetz erweist sich auch in solcher Beschränkung um so mehr als Meister, als er offenbar alle Autoren selber durchstudiert hat und zumeist auch durchstudieren mußte, weil ihm entsprechende Bearbeitungen wohl nur in geringer Anzahl Vorgelegen haben. Soweit ich ans den Zitaten im 3. Baude, 3. Aufl., SS. 407 und 417 ersehen zu dürfen glaube, hat Graetz nur für Philo — außer dessen Originalwerken — Schriften von Siegfried, Heinze und namentlich die von ihm als lichtvoll gerühmte Zell er7 sehe Behandlung des Phiionischen Systems ausgiebig benutzt, während er für die mittelalterlichen Denker außer Gug genheimer (Religionsphilosophie des Abraham 3bn Daud, im 6. Bde., 2. Aufl., S. 379 zitiert) keine Bearbeitungen, wie etwa die von Joel gekannt und verwendet zu haben scheint Es dürfte somit zur Begründung des obigen Urteils, von dem sch überzeugt bin, daß es, unbeschadet der mancherlei von mir selbst zu erhebenden Ein wände und für wünschenswert gehaltenen Abrundungen, ein gerechtes und zutreffendes sei, vorzugsweise die Erinnerung an die hauptsächlichen Träger der jüdischen Religionsphilosophie im Mittelalter und in der Neuzeit für angemessen erachtet werden. Nachdem uns Graetz den Gaon Saadja als den Mann kennen gelehrt hat, der am Anfang des 10. Jahrhunderts die lange verschlossen gebliebenen Pforten des systematischen Phiiosophierens über religiöse Probleme wieder öffnet, läßt er uns zugleich die fundamentale Bedingung schauen für die Möglichkeit solches Phänomens. Das Judentum kennt keinen Widerstreit zwischen Glauben und Wissen, zwischen Religion und Vernunft. Schon in seiner ersten philosophischen Schrift, im Kommentar zum Buche der Schöpfung, darf es dämm