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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 2 · p. Seite 119

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 2
Article
Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
Date
1918-01-01
Page
Seite 119 (sequence 12)
Language
German
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Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. 119 wie es auch von den Brüdern heiße: היו מחרפים sie schalten, ־= ולא היו מדברים und sie redeten nicht. Aber Güdemann hat übersehen, daß bei den Participien, die er auf die Vergangenheit deuten will, das entscheidende Hilfszeitwort »היתד fehlt, während es von den Brüdern deutlich heißt היו מחרפים und היו מדברים. Es ist also zunächst philologisch ausgeschlossen, bei dem, was über die Mutter erzählt wird, an Vergangenes zu denken. Aber auch aus anderen Gründen nicht angängig. Daß eine alte Mutter ihrem ältesten Sohne in die Verbannung folgt und seine völlige Vereinsamung mit ihm teilt, ihre religiöse Lebensführung ganz nach seinen Ansichten regelt, aus Liebe zu ihm sogar den Bann, dem er verfallen ist, auch über sich ergehen läßt und mit ihm zugleich Haß und Verfolgung erduldet, ist wohl begreiflich/ nicht aber, daß dieselbe Greisin auch nach dem Tode des Sohnes, statt zu ihren anderen Söhnen zurückzukehren, lieber in selbstgewählter Einsamkeit noch weiter in der Verbannung und im Banne geblieben sein soll, auch dann noch völlig taub gegen alle Vorstellungen und Bitten bei ihrem ketzerischen Trotze (במרדה) beharrend. Undenkbar ist es ferner, daß sie, der nichts Böses weiter nachgesagt werden kann, als daß sie frü her bei Lebzehen des Sohnes sich ganz nach ihm gerichtet und damals nach seiner Auffassung vom Judentum, in seiner Weise religiös gelebt hat, darum in dem rabbinischen RGA als eine Verfluchte (ארורה) hingestellt wird, über die unter Umständen, um ein Exempel zu statuieren, sogar eine von ihr von rechtswegen nicht gebührende Strafe, nämlich die Verweigerung eines jüdischen Begräbnisses, verhängt werden dürfe. Die Meinung Güdemanns, daß die rabbinische Anfrage auf die alte Mutter eines bereits verstorbenen Ketzers sich beziehe, ist also nicht nur aus philologischen, sondern auch aus logischen und psychologischen Gründen unhaltbar. Aber die Schwierigkeit, die in dem Worte שנפגר liegt, ist höchst einfach zu beheben. Es muß ursprünglich שיפגר geheißen haben. Diese naheliegende geringfügige Besserung genügt, um den vollbefriedigenden, zweifellos richtigen Sinn wiederherzustellen: »Seine Sünden jedoch werden (oder: mögen), den Frevler um-

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