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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 2 · p. Seite 116

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 2
Article
Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
Date
1918-01-01
Page
Seite 116 (sequence 9)
Language
German
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116 Zur Lebeusgeschichte Uriel da Costas. und des Ortes und der Personen, um die es sich handelt, ent״ hält: »Unter uns befindet sich ein böser und nichts würdiger Mann, er leugnet die ganze mündliche Lehre, spottet über die Worte unserer Weisen und verhöhnt und verlästert sie. Auch leugnet er die Grundlehren des Glaubens, die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung der Toten, und in seinem Übermute sagt er öffentlich, daß es keinen Unterschied hierin gebe zwischen dem Menschen und dem Tiere. Er leugnet auch viele der biblischen Wunder, so die Wundertaten der Propheten Elia und Elisa. Doch dieses nicht allein hat er getan, sondern er wollte auch ein Buch in nichthebräischer Sprache (בלשון לעז) veröffentlichen und druckte darin alle seine trügerischen und argen Glaubensmeinungen ab, bis die Häupter der jüdischen Gemeinde bei der Behörde sich eifrig der Sache annahmen. Dann erst wurden seine Bücher konfisziert und öffentlich verbrannt und er selbst ins Gefängnis geworfen. Sie waren auch sehr bemüht, seine Verbannung aus der Stadt zu erwirken. Denn weil in diesem Staate Glaubens״ freibeit herrscht und es keine Inquisition gibt, darum gelang es Ihnen nicht, zu erreichen, daß er mit dem Tode bestraft würde, sondern nur, daß er aus seinem Wohnorte ausgewiesen wurde. Seine Sünden jedoch werden den Frevler umstricken«. Hier folgen im hebräischen Texte die Worte שנפגר שם במקום שרילך, die, wenn sie richtig so lauten, nichts anderes bedeuten können als »der dort krepiert ist (oder »so daß er dort krepiert ist«), an dem Orte, wohin er gegangen«1). Nun erst folgt die eigentliche Anfrage, über die der religionsgesetzliche Bescheid erbeten wird: »Dieser Nichtswürdige hat eine alte Mutter und hat auch zwei fromme Brüder, bei denen niemals eine ketzerische Meinung gefunden wurde. Vielmehr haben sie ihn stets seiner Worte wegen gescholten und mit ihm nicht geredet, wie auch alle übrigen Mitglieder der Gemeinde, nachdem man ihn öffentlich in den Bann *) Die Übersetzung dieser Worte bei Perles a. a. O. S. 203 »wo er fern vom Schauplatze seiner früheren Tätigkeit verfallen ist«, läßt sich nicht aufrechterhalten. Der Sinn des Wortes שנפגר ist so eindeuiig klar, daß jede freie Umdeutung sich verbietet.

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