Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein neuer Grabsteinfund in Breslau
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
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106 Ein neuer Grabsteinfund in Breslau. Schließlich noch ein kurzes Wort über den Wert und die Bedeutung des neuen Fundes. Die Geschichte der Breslauer Judenheit tritt dadurch in ein ganz neues Licht. Bisher haben wir nur gewußt, daß dicht bei Breslau in Klein-Tinz und Tocholnici einzelne Juden als Grundbesitzer wohnten. Jetzt sehen wir bestimmt, daß schon etliche Jahrzehnte vor dem Beginn des 13. Jahrhunderts eine vergleichsweise zahlreiche Ansiedlung sich hier befunden haben muß. Denn der Besitz eines Friedhofs läßt mit großer Sicherheit erkennen, daß ein wohlgeordnetes und einigermaßen leistungsfähiges Gemeinwesen damals bereits bestanden hat — wie denn auch die Urkunde vom Jahre 1316 (oben S. 98, Anm. 1) von antiquis temporibus redet, seitdem der Gottesacker sich im Besitz der Juden befunden hat. So ein Grundbesitz verlieh der ganzen Gemeinde ganz von selbst Ansehen und Bedeutung. Sie galt dadurch ohne weiteres als Hauptort für ihre gesamte Umgebung; denn nach altem Herkommen mußten die Nachbargemeinden, die ihre Angehörigen dorthin zur ewigen Ruhe brachten, nirgends anders als vor dem rabbinischen Gericht des Hauptortes in allen ihren Angelegenheiten Recht suchen. So sagt ausdrücklich die Herzogin Agnes in dem Gnadenbrief, den sie am 21. März 1370 ihren Schweidnitzer Juden ausstellte, daß »alle Juden yn allen unsern Steten czu der Sweidnizc gehören sullen zu der ladunge na jodischin sitten, sie sollen auch . . . . als si vor getan haben .... iren kirchhoff doselbinst von unsire gnaden haben.« Das stimmt genau mit der uralten Übersieferung überein, von der uns im 15. Jahrhundert Isserlein, der Judenmeister von Wiener Neustadt, zu berichten weiß 1). In der Tat sehen wir, daß schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts hier in Breslau ein immerhin beachtenswertes Maß jüdischer Gelehrsamkeit vorhanden gewesen sein muß. Einige der uns erhaltenen Grabschriften2), und darunter die auf den Denkmälern, נ) Vgl. Brarni, a. a. O., S. 33, Anm. 3 und S. 76, Anm. 5. Isserlein, Peßakim Nr. 65. 2) Es sind die NNr. 1.7. 8. 19. S. VII, IX, X. .Der Gemeinde ge-