Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein neuer Grabsteinfund in Breslau
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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Ein neuer Grabsteinfund in Breslau. 108 Besoldung aus gelegentlichen Spenden an Feiertagen und bei häuslichen Festen das Amt des Vorbeters, Rabbiners und Jugendlehrers, das er schlecht und recht, wie es eben anging, ausübte. Gerade für Breslau erfahren wir sogar urkundlich, daß noch hundert Jahre später, im Jahre 1315 der hiesige »episcopus judeorum omnia judeorum pecora in ipsorum cristianorum mactatorio . . . . . juxta ritum gentis judaice« zu schlachten hatte. Der damalige Breslauer »Judenbischof« vereinigte also wirklich in seiner Person die Ämter des Rabbiners und Schächters, des Vorbeters und Religionslehrers1). Unterstützt wird die Annahme durch die Tatsache, daß heute noch im Orient auf zahlreichen Grabsteinen hinter dem Namen des Vorsängers die Bezeichnung נעים זמירות (2 3בישראל, oder in Abkürzung (3נזב//י d. h. »ein lieblicher Sänger in Israel,« sich findet. Möglich ist auch eine andere Deutung. Es kann die liebliehe Stimme ein Beiname sein, wie etwa »Libegeselle,« »Libirknecht,« »Libiskint,« »Lobiswort« u. dg!., die in Schlesien nachgewiesen sind4). Endlich können die beiden Worte die Abkürzung eines Wunsches bezeichnen, wie er auch sonst im früheren Mittelalter nicht selten hinter Personennamen vorkommt5), also etwa x) Vgl. Brann, Geschichte der Juden in Schlesien, S. 23, Anm. 2 11. S. 30. 2) z. B. hinter dem Namen des am (23. Schebat 618 —) 7. Februar 1858 in Jerusalem verstorbenen Jehuda Burla, vgl. O. L. Brisk, חלקת מחוקק (Jerusalem 1901) I, S. 14a, Nr. 62. 3) z. B. hinter dem Namen des am (19. Adar II 584 «19 (־. März 1824 verstorbenen Elieser Jerucham Eljaschar, dessen Sohn nachmals Chacham Baschi in Jerusalem gewesen ist (a. a. O, S. 29b, Nr. 94), s. ferner das. 15a, Nr. 9; 15b, Nr. 20; 43a, Nr. 70; 45a, Nr, 24 usw. 4) Vgl. Reichert, die deutschen Familiennamen nach Breslauer Quellen des 13. u. 14. Jahrh., S. 112 f., 142 h 5) Vgl. z. B. die im Cölner Judenschreinsbuch vorkommenden Begleitnamen (Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre zu Cöln, hrsg. von Höniger u. Stern, S. XXVI ff.). Zur gleichen Zeit kamen derartige sog. »Satznamen« natürlich auch bei Christen vor; vgl. für Schlesien z. B. Borgenicht, Deckintisch, Geratewol, Gott beschere czwir alsoviel»