Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein neuer Grabsteinfund in Breslau
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
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102 Ein neuer Grabsteinfund in Breslau. demnach darauf verzichten, als die »ältesten Breslauer Juden« angesehen zu werden. Sicherlich aber waren sie Zeitgenossen des Mannes, dessen Namen das neu aufgefundene Denkmal uns überliefert Interessant ist schon sein Name und in gewissem Sinne auch der seines Vaters. Was soll die »liebliche Stimme« (Zeile 3) hinter seinem Namen bedeuten? Soll sie nur ein Begleitname sein und etwa an die Bibelstelle II. Sam. 23,1, woselbst David als der »lieblichste Sänger Israels« bezeichnet wird, erinnern, oder will sie aussagen, daß unser David damals der Vorsänger der Breslauer Judengemeinde gewesen ist? So ein Vorsänger besaß nämlich in jenen Tagen eine ganz andere Würde und Ehrenstellung, als ein heutiger Vorbeter. In Polen — wozu damals Schlesien gehörte — Reußen und Ungarn waren, nach einer zuverlässigen, zeitgenössischen Schilderung1), zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Verhältnisse so, daß es Gelehrte, die in der nationalen Literatur gründlich bewandert waren, nirgends gab. Darum verschafften sich die kleinen jüdischen Ansiedhmgen in jenen Gegenden einen mehr oder minder sachverständigen Mann und übertrugen ihm gegen geringe Kartenskizze bei Partsch, a. a. O., S. 401). Auf das Genaueste entspricht dieser Lage die Ortsangabe in dem noch heute üblichen und gewiß aus der ältesten Zeit der Gemeinde stammenden Formular für die Ehescheidungsurkunde: ברעסלא דמתקריא בריסלאו מתא דיתבא על נהר אדרה ועל נהר אעל ועל מי טעינות. Für die Namensform Bresla hat Oesterley (hist.-geogr. Wörterbuch des dtsch. Mittelalters) als frühesten Beleg das Jahr 1124 (S. go), für die Form Brislaw s. meine Nachweise in G. J. I, 1, S. 64, Anm. 2. Mit den טי מעינות sind offenbar Weide, Lohe und Weistritz gemeint. Die urkundlichen Nachweise für die Lage der Judengasse nach dem Mongolen-Einfail in unmittelbarer Nähe der Herzogsburg auf dem Grunde des jetzigen Universitätsgebäudes s. in meiner Geschichte der Juden in Schlesien, S. 28. Das. Anm. 1 ist noch hinzuzufügen: Vgl. für 1519 Breslau, Stadt-Archiv Par. 40 Nr. 65 I, p. 365. — 1) S. den häufig zitierten Brief, den R. Elieser b. Isaak aus Böhmen 1ms Jahr 1200 an R. jehuöa b. Samuel ha־Chassid in Regensburg geschrieben hat, in den RGA. des R. Meir von Rothenburg, ed. Lemberg, ,Nr. 112, S. 6 d.