Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein neuer Grabsteinfund in Breslau
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
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100 Ein neuer Grabsteinfuiid in Breslau. St. Johanniskapelle1), etwa in der Mitte zwischen dem Bürgersteig und der äußeren Umfassungsmauer der Peter- und Paulkapelle2) mit seiner Aufschrift nach unten ganz frei in der Erde inmitten von Gebeinen der hier früher bis zu einer Tiefe von 3—4 m Begrabenen3), und zwar der Länge nach parallel zu dem Außenmauerwerk der Peter- und Paulkapelle. Er besteht aus weißlichgrauem schlesischen Granit, ist 1,64 m hoch, oben 0,16, unten 0,12 m dick und 0,67 m breit. Die Inschrift ist 1,0 m hoch und 0,54 m breit und beteht aus neun Zeilen. Die Zeilen sind 0,12 m von einander entfernt und durch Querlinien abgeteilt, eine Technik, wie sie nur an den ältesten Wormser und Mainzer Grabsteinen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert sich befindet4). Die Buchstaben sind 0,05—0,06 m hoch. Die Inschrift lautet: זאת האבן מצבת קבורת ר דוד קול נעים בר שר שלום שנאסף 5 בשיני בשבת בכ״ה ג) Diese Kapelle wurde 1408 errichtet und 1517 von Bischof Turzo erneuert, vgl. Jungnitz, »Die Breslauer Domkirche«, Breslau 1908, S. 74h.; Schulte, »Geschichte des Breslauer Doms und seine Wiederhersteilung«, S. 25 u. Anm. 60, S. 73. 2) Die Auskunft verdanke ich Herrn Baurat Ebers, unter dessen Leitung die ganze Anlage steht, bei welcher der Stein gefunden wurde. Die erste Mitteilung über den Fund hat mir Herr Prof. Rücker am 21. Januar d. J. im Aufträge des damals gerade verstorbenen geistl. Rats, Prof. Jungnitz, des Direktors des Diözesanarchivs, gemacht, der mich mit seiner stets hilfsbereiten Liebenswürdigkeit bei meinen schlesischen Studien immer wieder belehrt und unterstützt hat. Herrn Prof. Rücker verdanke ich auch die schöne Photographie, nach der das beiliegende Klischee angefertigt ist. 3) Wann dieses Gräberfeld angelegt worden ist, wäre noch zu ermitteln, ln der einschlägigen Literatur finde ich darüber nichts. Es scheint, daß auch für diese Anlage die Feststellung der Zeit durch den Umstand erschwert wird, daß die »Restaurierung des Domes unter dem Kardinal Friedrich von Hessen den früheren Zustand unkenntlich gemacht hat« (s. Schulte, a. a. O. u. S. 39t nebst den Anmerkungen). 4) Lewysohn, a. a. O. S. 13.