Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 2 · p. Seite 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 2
Article
Neuorientierung unserer Wissenschaft
Date
1918-01-01
Page
Seite 90 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2829132-2829887-2829890-2894458--43134-2894481
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

90 Neuorientierung unserer Wissenschaft. der Sache darin sehen, wenn wir die übliche Bezeichnung mit der eindeutigen »jüdische Theologie« vertauschten. Die Theologie ist nach Schleiermachers Definition1) eine »positive Wissenschaft, deren Teile zu einem Ganzen nur verbunden sind durch ihre gemeinsame Beziehung auf eine bestimmte Gestaltung des Gottesbewußtseins. Eine positive Wissenschaft überhaupt ist ein solcher Inbegriff wissenschaftlicher Elemente, welche ihre Zusammengehörigkeiten nicht haben, als ob sie einen vermöge der Idee der Wissenschaft notwendigen Bestandteil der wissenschaftlichen Organisation bildeten, sondern nur, sofern sie zur Lösung einer praktischen Aufgabe erforderlich sind«. In jüdischen Kreisen genießt das Wort Theologie keine übermäßigen Sympathien. Man verbindet damit die nicht mehr zutreffende Vorstellung von einem dogmatisch spekulativen System, das sich mehr auf blinden Glauben als auf vernunftgemäße Forschung stützt. Man scheut ferner die Einengung der Studien auf das rein religiöse Gebiet, die jüdische Lehre und ihre Darstellung in Kultus und Ritus. Beide Befürchtungen sind nicht begründet. Theologie im heutigen Sinne ist eine Wissenschaft auf philologisch historischer Grundlage mit streng kritischer Methode, die theologischen Fakultäten genießen infolge ihrer wertvollen wissenschaftlichen Arbeit hohes Ansehen. Und was die Verbreitung unserer Studien betrifft, so wollen wir uns nicht verhehlen, daß da, wo sie außerhalb der Fachkreise in erheblichem Maße Beachtung finden, zumeist religiöse Motive für ihre Pflege maßgebend sind. Sicherlich würde gegenüber dem bisherigen Betrieb manche Einschränkung erfolgen müssen; an der äußersten Peripherie würde dies und jenes abfallen, was allzu lose mit unserer Wissenschaft in Verbindung steht, aber im Innern könnte das meiste erhalten bleiben. Die Religion ist von ihren Trägern und ihrer Organisation nicht zu scheiden. Sehr eng werden die Grenzen der Theologie nirgends gezogen, .bei der innigen Verbindung von Religiösem und Nationalem im Judentum werden sie stets noch weiter geöffnet sein. 2) Zur Darstellung des theologischen Studiums, § i.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.