Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuorientierung unserer Wissenschaft
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
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Neuorientierung unserer Wissenschaft. 39 Wissenschaft übertragen werden, denen die Gesamtheit der Wissenschaften gleichfalls eine Sonderstellung nicht einzuräumen vermag. Daß das Jüdische in der allgemeinen Wissenschaft nicht die rechte Beachtung findet, mag unsere höhere Teilnahme dafür erwecken, kann aber im Aufbau der Wissenschaft keine Ausnahme rechtfertigen. Endlich ist, wenn wir an unsern Ausgangspunkt zurückkehren, zu beachten, daß das Judentum mit nichten als abgeschlossen betrachtet werden kann, sondern lebendig wirksam ist und einer sicheren Zukunft zustrebt. Das lebendige Judentum will erforscht, in seinem Bestände und seiner Struktur, seinen Lehren und Bestrebungen, seinen Entwicklungstendenzen und -Möglichkeiten ergründet und bestimmt werden. Die Wissenschaft des Judentums bedarf daher neben dem historischen auch eines philosophischen Teils. Eine Wissenschaft dieses Inhalts findet im Rahmen der allgemeinen Wissenschaft nur da Raum, wo sie zur Erreichung eines bestimmten Zweckes ausgebildet worden ist. Für eine solche Wissenschaft kann weder die hebräische Sprache noch das jüdische Volk den zureichenden Grund abgeben, sondern einzig und allein das Judentum. Der Begriff ist freilich einigermaßen kontrovers, schließt Religiöses und Nationales in sich, ist vielleicht auch wegen dieser Vieldeutigkeit gewählt worden. »Wenn von einer Wissenschaft des Judentums die Rede ist«, so heißt es in dem einleitenden Aufsatz der von Zunz herausgegebenen Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums1), »so versteht es sich von selbst, daß hier das Wort Judentum in seiner umfassendsten Bedeutung genommen wird, als Inbegriff der gesamten Verhältnisse, Eigentümlichkeiten und Leistungen der Juden in Beziehung auf Religion, Philosophie, Geschichte, Rechtswesen, Literatur überhaupt, Bürgerleben und alle menschlichen Angelegenheiten; nicht aber in jenem beschränkteren Sinne, in welchem es nur die Religion der Juden bedeutet«. Ich für meine Person würde eine wesentliche Förderung l) S. 1.