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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 2 · p. Seite 83

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 2
Article
Neuorientierung unserer Wissenschaft
Date
1918-01-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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Neuorientierung unserer Wissenschaft. 88 sie mit mitleidigem Achselzucken den Führern der wissenschaftlichen Bewegung entgegen. Es kann gewiß nur dankbar begrüßt werden, wenn die Bedeutung der Gelehrsamkeit einer vergangenen dunklen Periode in das rechte Licht gerückt wird — wahre Wissenschaft versagt keinem Verdienst die Anerkennung, aber sie schärft auch das Auge dafür, jedem Verdienst die rechte Stelle .anzuweisen, schärft das Urteil dafür, daß einer unheimlich gelehrt und doch kein Gelehrter sein kann. Daher vermag sie jener Gelehrsamkeit bei allem Reichtum des Inhalts nicht den Charakter der Wissenschaft zuzusprechen, es fehlen ihr die Elemente, welche das Wissen zur Wissenschaft erheben, Systematik und Kritik. Nicht die Anhäufung von Kenntnissen macht die Wissenschaft, sondern ihre Einordnung, Verknüpfung und Wertung, ihre Erhebung zu allgemeinen, im ganzen Denkzusammenhang gütigen Begriffen. Das Ziel aller Wissenschaft, die Erfassung und Darstellung der Wirklichkeit, kann nur durch kritische Forschung erreicht werden; es darf keine Erkenntnis als gesichert angesehen, kein Ergebnis auf Treu und Glauben Eingenommen werden, ohne .auf den Ursprung geprüft, auf die Zuverlässigkeit der Überlieferung untersucht zu werden, jede Wissenschaft kann daher nur im Zusammenhang mit der gesamten Wissenschaft, als Teil der allgemeinen Wissenschaft gedeihen, wer Vernunft und Wissenschaft verachtet, dem wird auch seine bestimmte Wissenschaft sich nicht erschließen. An dieser Einsicht hat es bei uns einige Jahrhunderte gefehlt; darin liegt die Größe und das unsterbliche Verdienst von Zunz, daß er die Erforschung des Judentums ihrer Einseitigkeit, ihrem weltfremden Dogmatismus entzog, sie zu einem Zweige der allgemeinen Forschung machte und der Gesamtheit der Wissenschaften einreihte. Zunzens Erstlingsschrift »Etwas zur rabbinischen Literatur« (1818) zeigte ihren Stoff unter völlig neuen Gesichtspunkten und wies der Forschung Probleme zu, die ihr bis dahin gänzlich unbekannt waren. Einen derartigen Reichtum an Wissenswertem hätte damals niemand hinter der jüdischen Literatur vermutet, hier eröffneten sich Perspektiven von ungeahnter Ausdehnung. So muß einem das Herz aufgehen, der sein Leben G*

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