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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 434

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Moralische Rechtseinschränkung im mosaisch-rabbinischen Rechtssystem
Date
1917-01-01
Page
Seite 434 (sequence 13)
Language
German
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484 Moralische Rechtseinschränk, im mosaisch-rabbinisch. Rechtssystem. Unterschied, denn einerseits schloß diese Wissenschaft im Mittelalter auch die Studia liberalia ein, und andererseits war in Christliehen Kreisen alle Wissenschaft religiös oder kirchlich gerichtet. Demgemäß durfte der Beruf des Rabbiners keinen Erwerbszweig bilden, jedwede Besoldung oder Annahme von Bezahlung für den höheren Unterricht in der Thora war ein Verstoß gegen die talmudische Feststellung: »Gott sagt: »Wie ich umsonst gelehrt habe, so müßt auch ihr umsonst lehren« (Nedarim 37 a). Man kann auch hier, wie jeder zugeben wird, für die Worte des Talmuds die »guten Sitten« einsetzen, aber die Talmudworte als solche bestärkten natürlich diese Anschauung und belebten den Eifer derjenigen, die wie Maimonides u. A. der einreißenden Besoldung oder Sustentatlon der Rabbiner sich entgegenstemmten. Es hat lange gedauert, bis die Besoldung der Rabbiner zu allgemeiner Annahme gelangte, worüber ausführlicher zu handeln, hier kein Anlaß vorliegt. Etwas anders stellt sich für Angehörige dieses Berufes das Verhältnis bezüglich der Annahme von Entgelt, namentlich von Privatpersonen, die nach heutiger Rechtsanschauung, wie oben erwähnt, gewissen Berufskreisen, aus denen ich die »öffentlichen Lehrer« wegen ihrer mit der rabbinischen verwandten Tätigkeit hervorhebe, verboten ist. Im Talmud (Ketubb. 105 b) heißt es: »Wer einem Thoragelehrten ein Geschenk bringt, dem wird es angerechnet wie die Darbringung der Erstlingsfrüchte (5. B. Mos. 26, 1 ff.).« Die Berechtigung dieses Ausspruchs wird nach rabbinischer Methode mit der Berufung auf einen biblischen Vorgang motiviert: Es wird nämlich II. Kön. 4 Ende erzählt, daß dem Propheten Elischa Erstlingsbrote zum Geschenk gemacht wurden. Handelt es sich auch in Wahrheit nicht um ein persönliches Geschenk, sondern um eine Spende zur Verteilung an Hungrige, so scheint es doch Sitte gewesen zu sein, die Propheten zu beschenken. Saul sagt vor seinem Besuche bei Samuel: »Ein Geschenk ist auch nicht da, dem Manne Gottes zu bringen« (I. Sam. 9, 7). Diese alte Sitte wurde dann auf die Thoragelehrten und die Rabbiner übertragen und erregte zu keiner Zeit Anstoß, wie die Besoldung, hauptsächlich wohl deshalb, weil bei der

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