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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 416

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Graetzens Schema zu einer enzyklopädischen Bearbeitung des Talmud
Date
1917-01-01
Page
Seite 416 (sequence 5)
Language
German
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416 Graetzens Schema zu einer enzyklopädischen Bearbeitung des Talmud. geschlossen ist. — Ich: worauf gründet sich denn die Meinung, daß man in פרדס »eine Geheimwissenschaft«ז) zu erblicken hat? Im ganzen Talmud findet sich פרדס überall nur und ausschließlich in der Bedeutung »Garten«; Paradies heißt stets nur: גן עדן. — Graetz: »Garten« kann doch hier nur allegorisch oder symbolisch aufgefaßt werden, so ist es auch von den alten Erklärern überliefert. Zur Zeit Akiba’s waren gnostische Schriften überaus zahlreich verbreitet; Elisa ben Abujah, der Acher, spricht von zwei göttlichen Prinzipien, das ist gnostisch. All dies, glaubeich, ist von mir im 4. Band der Geschichte genügend nachgewiesen worden, und ich habe hierin meine Ansicht durchaus nicht geändert, nur einzig und allein betreffs des ס, "צירה bin ich von meiner frühesten Anschauung zurückgetreten und verlege es jetzt in die arabische Zeit. Es ist ihnen ja dies bekannt, da Sie gerade diesen Band sehr eifrig studiert haben. Doch wie wollen Sie denn den פרדס erklären? — Ich: פרדס ist die epikuräische Philosophie, und der oeregte Ausspruch würde also besagen, daß die vier Tannaiten sich mit der epikuräischen Philosophie beschäftigt haben. — Hier traf mich ein maliziöser Blick mokanten Mitleids und das Wort: »Sie haben sich wohl die wissenschaftliche Methode talmudischer Pilpulistik hierorts angeeignet?« Gelegentlich sei bemerkt, daß Graetz trotz seiner großen Belesenheit und Vertrautheit mit dem rabbinischen Schrifttum kein pilpulistischer Debatte!* von besonderer Schlagfertigkeit war, daß ihm überhaupt die eristische Dialektik, der Pilpul, in der Seele zuwider war, weil bei allem in ihm das bohrende Suchen nach historisch-genetischer Klarheit sich sofort regte. — Ich führte aus: Die epikuräische Philosophie wurde als »der Garten«, hortuli, nfjjioi bezeichnet, wie ihr Gegenpart als die stoa —, also talmudisch: פרדס. Ist es denn nicht überhaupt merkwürdig, und wie soll es erklärt werden, daß im Talmud gar kein anderer griechischer פרדס ף wurde an dieser Stelle als »Paradies« aufgefaßt und »Paradies« als eine Metonymie für.»Weisheit«, »Erkenntnis« angesehen. Vgl. Graetz, Gnosticismus und Judentum, S. 58.

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