Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetzens Schema zu einer enzyklopädischen Bearbeitung des Talmud
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 415 (sequence 4)
- Language
- German
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Graetzens Schema zu einer enzyklopädischen Bearbeitung des Talmud. 415 ihm eine Skizzierung meiner Gesichtspunkte ein und erbat mir seine Skizze. Er antwortete: er sei gegenwärtig mit Arbeit überlastet, er gedenke, im nächsten Frühjahr nach Posen zu kommen, werde das Gewünschte mitbringen und wir könnten alsdann das Schema erledigen. Der Meister konnte Wort halten. Er brachte nach Posen nicht nur seine Skizze, sondern auch eine Folioseite mit Musterbeispielen. Bei den Beispielen war nur das Stichwort und die Belegstelle angegeben; hiervon war ich wenig befriedigt, da nach meiner Meinung mindestens eine kurze deutsche Notiz den Kern der Sache andeuten sollte. Das Schema jedoch war sorgfältig durchgearbeitet; manches freilich erschien ungenau, wie z. B. »materielle Halacha«, während ich die Scheidung in eherechtliche, zivilrechtliche, kriminelle, agrarische, sakrale, liturgische u. a. Ffalacha wünschte. Graetz meinte, daß dies alles in dem Ausdruck »materielle Halacha« enthalten sei, er habe indessen gegen derartig־e Unterabteilungen nichts einzuwenden. Dagegen erklärte er sich entschieden gegen einen Titel »Philosophisches«, in welchem ich die Ethik und die Mystik, wie auch die exakten Wissenschaften unterbringen wollte; das erwecke, so meinte er, falsche Vor- Stellungen, die Philosophie sei griechischer Geist, der talmudische Geist sei theosQphisch, auch wenn er hier und da ein philosophisches Korn aufgelesen hat. — Aber ich bestand auf ein Rubrum »Weltentstehung« oder »Kosmologisches«. Nehmen wir beispielsweise den Ausspruch Akiba’s (Chagigah 14b): »Wenn ihr unter Steine von poliertem Marmor geratet, so saget nicht: Wasser, Wasser usw.«, in welchen! Rubrum soll ,derselbe untergebracht werden? Wendet sich dieser Spruch nicht gegen die Anschauung, daß die Adern im Marmor beweisen, wie alles mehr oder minder erstarrtes und versteinertes Wasser ist? — Das ist höchst wahrscheinlich, erwiderte Graetz, eine allegorische Sentenz des Gnostizismus, auch wenn sie sich nicht direkt als solche nachweisen läßt, und ist an פרדס anzuknüpfen. Mit פרדס kann doch nur der Gnostizismus gemeint sein, da מעשה מרכבה darunter zu verstellen, nach dem Vorhergehenden und überhaupt aus-