Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetzens Schema zu einer enzyklopädischen Bearbeitung des Talmud
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 417 (sequence 6)
- Language
- German
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Graelzens Schema zu einer enzyklopädischen Bearbeitung desTalmud. 417 Philosoph genannt wird, als gerade — Epikuros, und dies klar und deutlich und unzweifelhaft? Denn der Kyniker Oinomaos aus Gadara wird doch nur als Freund des R. Me'fr erwähnt Die Epikuräer hatten nämlich in Griechenland keine Anerkennung und keinen Anhang gefunden und dafür in Vorderasien eine außerordentlich eifrige und erfolgreiche Propaganda betrieben. Elisa ben Abujah war kein deutscher Faust, sondern ein durch die römische Blutherrschaft verbitterter Epikuräer geworden. Das läßt sich mindestens ebenso genau nach weisen, wie, daß er Gnostiker gewesen. Des Meisters Mienen wurden immer ernster, zumal als ich vor ihm Zellers Philosophie der Griechen III, 13, S. 366, Note 2 aufschlug und vorlas. Wir disputierten noch über einzelne Stellen, bis Graetz schließlich erklärte: »Sie überzeugen ‘־mich dadurch nicht, denn das ganze intellektuelle Milieu jener Zeit weist auf die Gnosis hin, nicht auf den Epikuräismus, und es ist doch sehr fraglich, ob man von ihm, auch wenn es Einzelne tun, allgemein als von »dem Garten« gesprochen hat. Verarbeiten Sie doch Ihre Ansichten zu einem zusammenhängenden Aufsatz. Ich werde ebenfalls daran. denken, und wenn ich für Sie Förderliches irgendwie finde, werde ich nicht verfehlen, Ihnen Mitteilung zu machen. — Graetz hatte in der Unterredung auf Sabbaih 104a hingewiesen, und als wir den Wortlaut nachschlugen ג״ן ד״ם להיכן אוליכן לגן הדם, meinte ich es zugunsten meiner Hypothese verwerten zu können, insofern das Paradies hier als גן הדם sogar zu einem mnemonischen Merkwort verwendet wird. Hierbei machte ich darauf aufmerksam, daß wir beide die talmudische Mnemonik zu rubrizieren vergessen, die doch weit größere Bedeutung für die talmudische Zeit hatte, als wir heute angeben können. Graetz schien dieser Bemerkung nicht beizupflichten und wollte die Mnemonik in die »Generalia« verweisen. Nachdem wir noch allerlei durchgesprochen, übernahm er es, den endgültigen, der Kommission vorzulegenden Entwurf eines Schema’s in einigen Wochen mir einzusenden. Indessen gestaltete sich die Konstellation für unser Vorhaben überaus ungünstig; die Hilfskräfte, die dafür erforderlich waren, hätten die Monatsschrift, 61. Jahrgang 28