Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Konsekrierung der dritten Stadtmauer Jerusalems
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 17)
- Language
- German
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408 Die Konsekriertmg der dritten ■Stadtmauer■Jerusalems. Schutzwehr bis Joas, der König von Israel, unter Amazjah Bresche in sie legte und sie in einer Länge von 400 Ellen durchbrach (II. Kön, 14,13). Doch schon unter Usijah, dem Sohne Amazjahs, wurde sie umso stärker ausgebaut (II. Chr. 26,9) und unter Jotham weiter befestigt (2. Chr. 27,3). Auf diese Weise ward Jerusalem zu einer Festung, die der Belagerung Rezins und Pekachs Trotz bieten konnte (II. Kön. 16,6). Nichtsdestoweniger scheint diese Belagerung doch ihre Spuren zurückgelassen zu haben. Hätten sich keine Sprünge an ihr gezeigt, so wäre es rätselhaft, wozu Hiskijah es für nötig erachtete, beim Herannahen Sancheribs die rissig gewordene Mauer in Stand zu setzen. Diesem König schien die eine alte Mauer überhaupt nicht mehr genügende Sicherheit zu bieten, darum baute er eine zweite (II. Chr. 32,5), durch welche die Stadt allem Anscheine nach eine nicht unbedeutende Er- Weiterung erfahren hat1). Die Befestigung der David-Stadt durch diesen König wurde von seinem Sohne Menasseh gleichfalls durch den Bau einer zweiten Mauer vollendet (II. Chr. 33,14). Diese Fortifikatiouen erwiesen sich doch samt und sonders als trügerische; denn alle Fesiungsmauern und Fesiungstürme wurden von Nebukadnezar niedergerissen und dem Boden gleich gemacht (II. Kön. 25,10. II. Chr. 36,19. Jer. 39,8; 52,14). Jerusalem ward nicht bloß eine offene, sondern eine zerstörte, verödete Stadt. Wir wissen wohl, wie lange das babylonische Exil gedauert hat; doch darüber, wann und von wem die Mauern der hl. Stadt wieder aufgebaut worden sind, scheinen die Gelehrten geteilter Ansicht zu sein2 3). Indessen ist es gänzlich ausgeschlossen, daß sie bis zur Ankunft Nehemiahs in Schutt gelegen haben. Man braucht ja nur Nehemiah 1,2—4 noch so flüchtig zu lesen, uni sich einzugestehen, daß Chanani dem Bruder ein Novum meldet. Die Nachricht, daß die Mauern l) Das Wort ולחוצה will gewiß nichts andres besagen, als daß die 2. Mauer weit von der ersten entfernt war. Keineswegs läßt der Text eine Übersetzung und »er bestieg den Turm und die äußere Mauer draußen* (Kautzsch) zu. Daß der bestimmte Artikel in אחרת fehlt, hat nicht viel auf sich. Vgl. Nehem. 28,4 und II. Sam. 6,1. 3) Vgl. Lunz, Jerusalem, VI, S. 106 und Graetz II, 2, S. 139.