Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Konsekrierung der dritten Stadtmauer Jerusalems
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 15)
- Language
- German
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406 Die Konsekrlerung der dritten Stadtmauer Jerusalems. gewesen. Das Volk glaubte bloß, daß die Einsattelung an und für sich auch ohne Mauer werk als Umwallung gelten könne, und hat selbstverständlich nach der Konsekrierung der von Agrippal errichteten Mauer clie Einsattelung als überwundene Grenze betrachtet. Die Mitglieder des Chaberbundes hingegen haben weder die Einsattelung noch die ohne Propheten und Urim we־thumim erbaute Mauer als eine legale Erweiterung bewirkende angesehen. Hätte Abba Saul in der Tatsache, daß diese dritte Mauer zur Zeit ihrer Konsekrierung noch nicht ganz ausgebaut war, den eigentlichen Grund für das ablehnende Verhalten der »Genossen« erblickt, so hätte er nicht sagen dürfen העליונה לא קדשוה אלא במלך; dann hätte er sagen müssen העליונה שלא נגמרה. Es ist mithin gänzlich ausgeschlossen, daß jemals eine höhere oder niedere Um-׳ wallung zwischen der zweiten und dritten Mauer vorgenommen wurde. Mit Freuden stimme ich jedoch Graetz darin bei, daß den Amoräern Babylons zwei Lesarten in dem Berichte Abba Sauls אמאי לא קדשוה und ולמה קדשוה Vorgelegen haben, jeder muß Angesichts der Tatsache, daß eine Konsekrierungstattgefunden hat, die letztere als die einzig mögliche betrachten. So liest auch Graetz in der von ihm richtiggestellten Baraitha S. 778. Umso unbegreiflicher ist es nun, wenn er auf derselben Seite schreibt: »Naiv wird die Frage aufgeworfen: »Warum hat man den oberen »Teil nicht konsekriert? Die Antwort ist gescheiter als die Frage, »oder vielmehr, diese wird bloß um der Antwort willen aufgeworfen. »Unvollständig geweiht wurde der höhere Teil, weil die Schwäche »Jerusalems dort war und es von da leicht hätte eingenommen »werden können. Man muß aber den Gedankengang ergänzen: »Dieser Stadtteil wurde nur wegen seiner Schwäche mit einer »Mauer umgeben — aber nicht vollendet — daher nicht rituell »konsekriert.« Ich erlaube mir, anderer Ansicht zu sein. Wenn, wie Abba Saul meint, die Konsekrierung gar keinen praktischen Nutzen hatte, insofern eine Erweiterung der Stadt hinsichtlich des Genusses von קדשים קלים und מעשר׳שני bedeutungslos blieb, dann ist ja die Konsekrierung eine leere inhaltlose Form gewesen; wozu wurde sie dann überhaupt vorgenommen? Und auf diese