Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Konsekrierung der dritten Stadtmauer Jerusalems
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Konsekrierung der dritten Stadtmauer Jerusalems. 393 dürfte er kaum das heute lebende Geschlecht als ein großes und dankbares hinstellen; denn bisher hat die Nachwelt ebensowenig wie die Mitwelt für die unvergleichliche Größe unsres Graetz ein volles Verständnis bekundet. Selbst die Kreise, in welchen der nationale Gedanke tiefe Wurzeln geschlagen, bringen es sich nicht zum Bewußtsein, daß das Graetz'sche Geschichtswerk mehr als alle jüdischliterarischen Erscheinungen des 19. Jahrhnnderts zusammen die jüdische Volksseele für den Gedanken .an Zion wieder empfänglich gemacht hat. Daß Fanatiker die unsterblichen Verdienste des Mannes in hämischer Weise zu verkleinern suchen, hat etwas Beschämendes — doch nicht für uns, die heute noch lebenden Jünger der Frankel-Graetz'schen Schule, die sich nie dazu hergeben konnten, für ihre Meister die große Trommel zu rühren. Wir sind stolz, alte Breslauer zu sein, aber wir sind trotzdem die Letzten, die es in Abrede stellen, daß das Graetz’sche Geschichtswerk auch seine Schwächen hat. Mit diesen Schwächen verhält es sich jedoch genau so wie mit den Sonnenflecken. Ohne das Sonnenlicht kann Niemand die Sonnenflecken sehen, und ohne das Sonnenlicht, das Graetz in der jüdischen Geschichtsforschung angezündet hat, hätte Niemand die dunklen Punkte in dem Geschichtswerke des Breslauer Historikers herausfinden können. Merkwürdiger Weise ist es gerade der von den Gegnern zur besonderen Zielscheibe ihrer Pfeile gemachte vierte Band, mit welchem Graetz sich hervorragende Verdienste um das wissenschaftiicheTalmudstudium erworben; denn wenndieChronologiedas Auge der Geschichtsdarstellung genannt werden darf, dann verdanken wir es Graetz, daß wir heute die Zusammenhänge der tannäischen und amoräischen Generationen ganz genau kennen. In mir wenigstens wurde hauptsächlich durch diesen Band der Sinn für das entwickelungsgeschichtliche Moment der Halachah geweckt, und ich gedenke in tiefer Dankbarkeit der nachhaltigen Anregung, die ich bei Graetz in seinem historischen Seminar gefunden. Wer da beispielsweise gesehen, wie die »Fastenrolle« zu einer den Josephus Flavius ergänzenden und berichtigenden Geschichtsquelle umgestaltet wurde, der kann nie aufhören, die