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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 386

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Flavius Josephus bei H. Graetz
Date
1917-01-01
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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S86 Flavius Josephus bei HL Qraetz. ein nationales Unglück ansah, ein Versteckspiel vorzog, um später in den Gemächern der Cäsaren in behaglicher Ruhe literarischer Muße zu leben. Muß ihm danach die Bürgerkrone abgesprochen werden, so gebührt ihm — urteilt Graetz am Schlüsse der Würdigung Gesch. d. J. III5, S. 557 t. — andererseits als Schriftsteller doch der Lorbeerkranz. Dieses, das literarische Wirken des Josephus näher darzulegen, ist der Beitrag, den ich im Nachfolgenden zu geben habe. Zuerst und vor allem ein Wort zur Würdigung des J. als des griechischen, genauer, jüdischhellenistischen Schriftstellers, worin er es nach dem Urteile eines P. Wendland weit gebracht. Ist es doch nichts Kleines, daß sein Stil sich vielfach zur klassischen Höhe von Geschichtschreibern hebt, die stark an Thukydides, der sein Vorbild gewesen zu sein scheint, erinnert. Knapp, gedrungen, ausdrucksvoll, wie dieser, bald in kurzem Satze, bald in kunstreicher Periode, sachlich der äuQlßeia sich befleißigend, wie er an unzähligen Stellen versichert, was wir ihm glauben werden; bei aller Eigenliebe ist es ihm doch Ernst um den Beruf des Geschichtsschreibers. Indem der Geschichts- Schreiber weiter einen Standpunkt haben muß, die Hochwarte, von der er den Gang der Ereignisse, Thun und Treiben der handelnden Personen überschaut, fehlt auch dieser bei josephus nicht Er fühlt sich — und das ist sein Standpunkt — als Juden, und das sowohl in der früheren Periode seines Lebens, da er noch auf palästinischem Boden gestanden; wie später noch, in den Gemächern der Cäsaren, da er in dem Verkehr mit dem hochgebildeten Epaphroditos und anderen Gebildeten eines Kreises getreten, der nach Epaphroditos seinen Namen erhielt. Gerade die »Vita«, seine Selbstbiographie, enthält neben dem Belastenden für sein politisches Verhalten, was zu dem Verdammungsurteil Graetzens geführt, doch auch einzelne bemerkenswerte Züge jüdischen Fühlens, etwas was ihm nicht vergessen werden soll, um ihm doch auch nach der anderen Seite gerecht zu werden. Es ist wohl nur ein Äußerliches, aber immerhin Bezeichnendes dafür, daß er für künftig zu Unternehmendes demütig beisetzt: »wenn Gott es mir also verstattet,« mehr sachlichen Charakters

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