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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 378

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Graetz als Exeget
Date
1917-01-01
Page
Seite 378 (sequence 12)
Language
German
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378 Graetz als Exeget. Einet! verhältnismäßig breiten Raum bei Oraetz als Exegeten nimmt die Texteskritik ein. Textes Verbesserungen an der heiligen Schrift vorzunehmen, hält er nicht nur für zulässig, sondern auch für unerläßlich. Die Berechtigung und die Notwendigkeit von Emendationen zur Bibel!begründet er ausführlich1) und seinen Ausführungen wird im Wesentlichen jeder beipflichten, der nicht an eine bis auf das Kleinste sich erstreckende, die Unversehrtheit des Bibeltextes von vornherein für die Dauer verbürgende Verbal- Inspiration glaubt. Kein aus dem Altertume überkommenes, abschriftlich von Hand zu Hand gegangenes Buch ist textlich unversehrt geblieben, auch die Bibel nicht. Die Massora hat zwar den Text des Pentateuch beaufsichtigt, aber auch diesen nicht etwa von Anfang an. Die übrigen Bücher der heiligen Schrift sind viele Jahrhunderte hindurch ohne Kontrolle abgeschrieben worden, und die vielen Katastrophen, die zugleich mit dem jüdischen Volke das jüdische Schrifttum durchzumachen hatte, sind am Texte der Bibel gewiß nicht spurlos vorübergegangen. Das Vorhandensein von mitunter sehr stark abweichenden Lesarten wird durch die alten Übersetzungen bezeugt, Spuren geringerer Abweichungen finden sich sogar im Talmud, und \aele Bemerkungen der Massora2) weisen nicht nur auf Varianten hin, sondern auch auf vorgenommene Textesberichtigungen. Graetz beruft sich auch darauf, daß bereits ein Bibelerklärer des XL Jahrh., der Grammatiker Ibn Ganach, dessen Frömmigkeit niemals angezweifelt worden ist, eine ganze Reihe von Textesverbesserungen zur Her- Stellung eines gesunden Sinnes vorzunehmen sich nicht gescheut hat. Daß diese Änderungen nicht ausdrücklich als Fehler- Verbesserungen bezeichnet werden, sondern nur gesagt wird, man müsse, den Text so erklären, als ob er anders lautete, ändert nichts an der Tatsache, daß hier Texteskritik geübt wird. Vor allem steht fest, daß der rezipierte Text an sehr vielen 1) Siehe Graetz, Kommentar zu den Psalmen, 100—148, ferner Monatsschr. 1880, 2ff., das. 1883, 49 ff., das. 1884, 145 h., das. 1885, 21gff* 2; So namentlich zu de״ als סבירין; מטעין; קרי וכתיב; תקון סופרים bezeichneten Stellen.

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