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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 377

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Graetz als Exeget
Date
1917-01-01
Page
Seite 377 (sequence 11)
Language
German
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Graetz als Exeget. 377 weise sich als ein künstlerisch angelegtes Ganzes, von einem einzigen Autor geschrieben und lange vor der Zeit des Exils abgeschlossen. Partien aus Gen., Ex. und Num. in ihrer gegenwärtigen Gestalt haben bereits den Propheten Hosea, Micha und Jesaia Vorgelegen, und König Hiskia habe die Vorschriften der Thora bereits als Regel für den Staat genommen. An der Einheitlichkeit der ersten 4 Bücher sei nicht zu zweifeln. Bezüglich des fünften Buches hält Graetz es für ausgemacht, daß das i. J. 621 ante im Tempel aufgefundene Gesetzbuch kein anderes als das Deuteronomium gewesen ist. Ob das Buch, das sich als selbständiges Gesetzbuch und zwar als letztes Vermächtnis des gesetzgebenden Propheten Mose ausgibt, uralt, oder erst kurz vor der Auffindung geschrieben sei, scheint ihm eine müßige Frage. Er ist überzeugt, daß die Autorschaft der beiden Sammlungen kritisch nicht ermittelt werden kann und volle Gewißheit über die Abfassungszeit des Fünfbuches niemals erreicht werden wird1). Der Pentateuch in allen seinen Teilen ist nach Graetz unzweifelhaft vorexilisch. Die Wellhausensche Hypothese von der außerordentlichen Jugend des sogenannten Priesterkodex wird von Graetz an einem überzeugenden Beispiele widerlegt. Wellhausen wolle durchaus zeigen, wie der Strom frischen religiösen Lebens in Israels Geschichte durch Esra zum Rinnsal einer priesterliehen Gesetzesreligion geworden sei und beinahe völlig im Sande verlaufen wäre, wenn nicht ein neuer mystischer Messianismus das Verrieselnde wieder zum Strömen gebracht hätte. Aber nur die Voreingenommenheit, meint Graetz, könne den Priesterkodex jung machen, nur schrankenlose Willkür in der Abgrenzung der supponierten Quellen oder Urkunden könne die Stütze für die Wellhausensche Hypothese schaffen. »Diese Zerstückelungsmethode«, so schließt Graetz seine Verurteilung der allerneuesten Bibelkritik, »beleidigt noch mehr das ästhetische und kritische als das religiöse Gefühl«2). *) Siehe Graetz II, 1, S. 43. 3) Siehe Monatssehr. 1886, 251.

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