Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetz als Exeget
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 376 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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876 Oraetz als Exeget. Wiedergeburt des judäischen Volkes 150 Jahre vorher oder ein Jahrzehnt vorher verkündet worden ist1 2). Das Buch Daniel, das bei oberflächlicher Betrachtung im babylonischen Exil entstanden scheint, in Wahrheit aber, wie die Bibelkritik unwiderleglich dargetan hat, aus der makkabäischen Zeit stammt, sei hierdurch nicht entwertet, sondern eher noch zu höherer religiöser Bedeutung erhoben worden, denn nunmehr erst wissen wir, daß dieses Buch mit seinen Erzählungen eine tiefe Wirkung auf das Volk geübt, eine Fülle von opfermutiger Frömmigkeit und tatkräftiger religiöser Begeisterung in den Gemütern geweckt hat. Die Bibel verliert in der Tat nichts von ihrer Heiligkeit und Eindringlichkeit, auch wenn das Alter mancher ihrer Bücher auf Grund bibelkritischer Ergebnisse herabgesetzt werden muß. Wogegen aber Graetz sich sträubt und was er mit aller Entschiedenheit zurückweist, das sind die Ausschreitungen der Bibelkritik, namentlich der Wellhausenschen Pentateuchkritik. Ihm widerstrebt aufs tiefste die Hypothese einer Quellenscheidung in den erzählenden und gesetzlichen Partien des Pentateuch und die damit verbundene Annahme einer tendenziösen Bearbeitung und Überarbeitung der Grundschriften. Sein Standpunkt zur Pentateuchkritik ist in Bd. II seiner Geschichte in einer Note über die Komposition der Thora3) und außerdem in einer besonderen Abhandlung über die allerneueste Bibelkritik3) niedergelegt. Er hält die Urkundentheorie vom Elohisten undjahwisten mit oder ohne Diaskeuasten für einen schlechten Einfall, der nicht einmal verdiene, als Hypothese zu figurieren. Er hält es für widersinnig, daß eine tendenziöse Änderung oder geflissentliehe Fälschung des ursprünglichen Thora-Textes durch Esra oder einen anderen jemals stattgefunden habe. Esra habe die Thora weder verfaßt noch auch nur einzelne Teile der Thora redigiert oder interpoliert. Der Pentateuch in seinen ersten 4 Büchern er- 2) Siehe Monatsschr. 1881, 2. 2) Siehe Graetz II, 1, Note 6, S. 452 ff. *) Siehe Monatsschr. 1886, 202 ff.