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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 373

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Graetz als Exeget
Date
1917-01-01
Page
Seite 373 (sequence 7)
Language
German
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Graetz als Exeget. 873 zeugung von der Einheitlichkeit des Buches Ijob, »das — mag die exegetische. Anatomie es noch so sehr zerstückeln —, doch ein einheitliches Ganzes bildet, wie Kohelet«. Im übrigen hält er das Buch Ijob für exilisch, und zwar für innerhalb der babylonisch-jüdischen Gemeinde entstandenג) und meint, daß ohne sorgfältige Textkritik mit den Büchern des A. T., welche mehr den Ausfluß der israelitischen »Weisheit« als den der prophetischen Offenbarung geben, nichts anzufangen ist, ganz besonders mit Hiob und Kohelet1 2). Zur Rechtfertigung seiner Behauptung von der Notwendigkeit der Texteskritik gibt Graetz zum Schlüsse ein Verzeichnis von nahezu dreihundert Emendationen zum Buche Ijob. Außer den erwähnten hagiographischen Büchern hat Graetz auch das Buch Esther nach Inhalt und Text, Abfassungszeit und historischem Hintergrund kritisch untersucht3). Er kommt zu dem Ergebnis, daß dieses Buch zur Zeit des Königs Antiochus Epiphanes, also ungefähr gleichzeitig mit Daniel entstanden ist. Eine unhistorische Tendenzschrift, die, um besser zu wirken, ihre erdichtete Erzählung, die ähnlich wie ein Teil des Buches Daniel nur der Reflex eines Zeitbildes in historischem Stile ist, an die bereits zu ständigem Brauche gewordene Purimfeier anknüpft. Diese Feier aber, in Benennung und Bedeutung, Zeit und Art dem griechischen Feste der Faßöffnung (nudoiyla) und Kannengießung (%öeg) entsprechend, war ursprünglich nicht eigentlich ein religiöses, sondern ein weltliches Fest, den umwohnenden Griechen entlehnt. Der Verfasser des Estherbuches gebraucht dieses Purimfest mit völlig umgebogener Bedeutung für seine Erzählung, um zu zeigen, wie mit dem Wein- und Freudenfeste Purim ein glücklicher Umschwung in Israels Geschichte eng verknüpft sei. Richtig ist, daß bei dieser Auffassung des Buches 1) Siehe Graetz II, 2 S. 32 ff. und Monatsschr. 18S7, 252 ff. 2) Siehe Monatsschr. 1887, 28g. s) Siehe Graetz II, 2 S. 331 Anm. 1 und S. 343 und noch eingehender Monatsschr. 1886, 425 ff. in 4 Artikeln.

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