Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetz als Exeget
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Job 1× ep/1005326
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372 Graetz als Exeget. niemand mit solcher Gründlichkeit und Ausführlichkeit gehandelt, wie Graetz in seiner Einleitung zum Psalmenkommentar1). Eine Unzahl von scharfsinnigen Bemerkungen und Vermutungen, Beobachtungen und Belegen grammatischer und lexikalischer Natur gewährt dem Sprachforscher reiche Ausbeute. Besonders hervorzuheben ist Kap. VI. der Einleitung2) über den gottesdienstliehen Gebrauch der Psalmen und ihre musikalische Begleitung, wie auch Kap. VII über die Aufschriften zu den Psalmen und andere nicht zum Inhalt gehörende Zusätze3), mit zahlreichen, zum ersten Male herangezogenen Belegen aus der talmudischen Literatur. Die Psalmen nach ihrer Abfassungszeit verteilen sich nach Graetzauf 5 Geschichtsperioden, in vorexilische, exilische, nachexilische,. makkabäische (etwa 10) und nachmakkabäische (Ps. 134 und 135} Psalmen4). Graetz ist dessen sich bewußt, daß die Resultate seiner Auslegungsweise nicht durchweg stichhaltig sind5), aber mit Recht durfte er sich der Überzeugung hingeben, daß die von ihm angewandte Methode der kritischen Erläuterung sich Bahn brechen und zu besserem Verständnis der heil. Schrift verhelfen werde. Ein Jahr nach dem Erscheinen seines Psalmenkommentars veröffentlichte er exegetische Studien zu den Sprüchen6), meist textkritische Bemerkungen. Denn erst nach Wiederherstellung der richtigen Lesart könne die Frage nach Abfassungszeit und Vaterland des Spruchbuches oder seiner einzelnen Teile beantwortet werden. Im Buche der Sprüche unterscheidet Graetz zwei Hauptteile mit Anhängen, darunter vorexilische und exilische Stücke7). Das Buch Ijob ist von Graetz zwar nicht mit voller Ausführlichkeit erläutert worden, aber in seiner lehrreichen Auseinandersetzung mit Cheyne über den Lehrinhalt der Weisheit im bibl. Schrifttum8) vertritt Graetz mit Entschiedenheit seine Über- ג) Das. S. 100—152, 2) Das. S. 53 ff. 3) Das. S. 78 ff. 4) Das. S. 39 ff. 6) Das. Vorwort S. XV. •) Monatsschr. 1884, 145 ff. und noch 6 weitere Artikel. 7) Das Nähere s. Graetz II, 2, Note 10, S. 382 ff. 8) Siehe Monatsschrift 1887, 241 ff. und noch weitere 3 Artikel.