Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetz als Exeget
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 5)
- Language
- German
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Graetz als Exegei 371 der Juden eine Arbeitspause machte, widmete er ganz der Bibelforschung und Schrifterklärung. Im Frühjahr 1872 war es ihm vergönnt, Palästina mit eigenen Augen zu sehen und damit war das Hindernis beseitigt, das ihn bis dahin abgehalten hatte, die altisraelitische Geschichte zu bearbeiten. »Man muß«, so schreibt er im Dezember 1873 Vorwort zum ersten Bande seiner Geschichte1), »die biblischen Schriften in dem Land lesen, wo sie ihren Ursprung haben, oder man muß den biblischen Schauplatz mit der Bibel in der Hand bereisen«. Vielleicht aus demselben Grunde, der ihn zwei Jahrzehnte lang von der Darstellung der biblischen Geschichtsperiode absehen ließ, beschränkte er sich in seinen ersten exegetischen Arbeiten auf die Hagiographen, die letzten Erzeugnisse des biblischen Schrifttums, deren Entstehung seiner Ansicht nach zum Teil schon in das tannaitische Zeitalter hinabreicht An eine historisch-kritische Besprechung des Pentateuch und der Propheten wagte er sich noch nicht heran. Erst seitdem er den Schauplatz der altisraelitischen Geschichte, das Land, wo die biblischen Quellenschriften ent־ standen sind, mit dem geschärften Blicke des Geschichtsforschers gesehen hatte, drängte er alle Bedenken zurück und ging gleichzeitig an die Bearbeitung der biblischen Geschichte und an die Besprechung der ebenso wichtigen wie schwierigen Fragen der gesamten Bibelkritik. Am eingehendsten jedoch hat Graetz als Exeget die Hagiographen behandelt. Sein kritischer Kommentar zu den Psalmen, erschienen 1882 —83, bildet den Höhepunkt seiner exegetischen Leistungen. Schon die Einleitung ist eine wahre Fundgrube von Aufschlüssen. Wie aus Targuni, Talmud und Midrasch und auch aus den Schriften der jüdischen Exegeten und Qramrna־ tiker des Mittelalters für die Erklärung noch viel zu holen ist, hat Graetz zuerst meisterlicli dargetan. Über die Beschaffenheit des überlieferten Bibeltextes, über die zahlreichen Fehlerquellen und über die Hilfsmittel der Textesbesserung hat bis dahin noch ף Das. S. YIIL