Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 10)
- Language
- German
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GraeizenS Philosophie der jüdischen Geschichte. 3Gä vereinigte, bezeugte sich als echten religiösen Geistes durch die Unterscheidung der »religiösen und der sozialen Pflichten,« (S. 369.) welche als »rationale und irrationale« Bestimmungen im Judentum erscheinen. So wird die Haggada nicht nur eine Analogie, sondern selbst eine Art von Philosophie. »Bis ins 9. und 10. Jahrhundert reichte die Produktion der Agada« (S. 272), mithin bis zu Saadja. Und ihr Seitenstück wurde die Mystik, die noch ins 1יץ Jahrhundert sich erstreckt. Aber Frucht der Haggada sind ferner auch die Festgebete mit ihren Poesien. So wird die zweite Periode der Diaspora vorbereitet, welche den haggadischen Kommentar zum philosophischen System entwickelt. Jetzt sucht das Judentum seine Rechtfertigung in einem Prinzip, und die Wissenschaftlichkeit dieses Prinzips bewährt sich in seiner Verbindung mit einer auf Grammatik begründeten Exegese. Graetz versucht nunmehr »die Konturen der Hauptsysteme, die in dem jüdischen Geistesleben Epoche machen, darzulegen« (S. 375). Und die Grundlinien dieser Charakteristik greifen meistens in die Tiefe. »Das philosophische Forschen gehörte fortan mit zum Judentum.« (S. 377). Mit der Philosophie aber wurde auch das Studium der Wissenschaften verbunden, und zwar der Natur-, wie der Geisteswissenschaften. Nach der Charakteristik von Saadja, jehuda Halewi und Mai״ muni bringt nun die dritte Periode die von Moses Mendelssohn, dessen Würdigung des Gesetzes nicht nur aus dem natio״ naien Gesichtspunkte hergeleitet wird, sondern, als ob darüber gar kein Schwanken bestanden hätte, aus dem der Einheitlichkeit von Religion und Staat. »Im Judentum wurzeln Staat und Religion gemeinschaftlich, oder sind vielmehr eins« (S. 419). jetzt auf einmal leuchtet unserem Historiker diese Identität des ethischen Prinzips des Monotheismus ein, gegen welche er im Mosaismus und im Prophetismus selbst noch gefehlt hatte. Es scheint, als ob ihm erst bei der Vergegenwärtigung der Grundgedanken und Dispositionen des »Jerusalem« diese Einsicht aufgegangen wäre. Aber auch sonst sind manche Lichtblicke hier hervorgetreten. Schon