Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Graelzens Philosophie der jüdischen Geschichte. 366 in der zweiten Phase findet sich der Satz, daß das Judentum »kein Mittelalter« in der Nebenbedeutung dieses Begriffs« habe. Ähnlich heißt es hier: »Das Judentum aber ist durchaus kein Produkt des Orients, sondern bildet gerade einen schroffen Gegensatz •zu demselben.« Dieser Trumpf wird gegen Hegel ausgespielt. Und endlich nimmt die Abhandlung noch ausdrücklichen Bezug auf Steinheim, Hirsch (Ben Usiel) und auf Salvador; auf den Letzteren für die sozial-legislative Seite des Judentums. Am Schlüsse aber heißt es: »Es fehlt nur noch an einem umfassenden Prinzip des Judentums, das alle diese Seiten in sich befaßt und vereinigt, welches Prinzip sich in sämtlichen Erscheinungen des jüdischen Lebens, den dogmatischen, religiösen, politischen, geschichtlichen bis selbst in ihrer verkümmerten Gestalt abspielen muß.« (S. 421.) So wird von Graetz ein einheitliches Prinzip des Judentums, das in seiner Universalität kein anderes als das des Monotheismus sein kann, gefordert. Wann wird dieses einheitliche Prinzip für alle Erscheinungsformen des Judentums unter uns lebendig werden und die Welt zur Erkenntnis bringen, daß der reine, absolute Monotheismus den geschichtlichen Grund bildet für den Fortbestand des Judentums? Der letzte Satz dieser Abhandlung, ist wie berechnet zur Re- Kapitulation, aber auch zur Berichtigung ihrer Grundgedanken. Er lautet: »Es stellt sich nach dieser historischen Ansicht heraus, daß es die Aufgabe der judentümlichen Gottesidee zu sein scheint, eine religiöse Staatsverfassung zu organisieren, die sich ihrer Tätigkeit, ihres Zweckes und ihres Zusammenhanges mit dem W eltganzen bewußt, ist.« Wir dürften dem Geiste unseres verewigten Lehrers gerecht werden, wennwir diesem Satze die Fassung geben: Die monotheistische Gottesidee hat die Aufgabe, eine religiöse Staats- Verfassung zu organisieren als Weltorganisation, d. i. als die des Staatenbundes der nach der Idee des Messianismus sich entwickelnden. Menschheit. □j