Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829881-2829886-2894263--42890-2894322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gractzens Philosophie der jüdischen Geschichte. 363 Hosea, Micha und Amos werden als das »Quadriumvirat« des messianischen Prophetismus bezeichnet, der »die ganze Mensch״ heit« umfaßt. Ein Gegensatz zwischen Patriotismus und Kosmo״ politismus besteht für diese Monotheisten nicht; nur das Volk war dieser Idealität noch nicht gewachsen: und so entsteht in Jesaja c. 42 der Knecht Gottes als das Idealbild des Volkes. Und diese Idealisierung des Volkes kommt durch das Exil zu den ersten Schritten ihrer Realisierung. Auch in dieser zweiten Periode, die nunmehr folgt, und in ihrer Einteilung in drei Phasen finden sich fast durchweg interessante Charakteristiken, wie die Analogie der Männer der großen Synagoge mit den Richtern, die beide »für den Augen־ blick« Sorge tragen und daher ebenso für den Fortbestand. In der zweiten Phase tritt hier als Analogie zum Königtum der Hellenis־ inus auf, die beide mit Widerstreben aufgenommene fremde Elemente seien. Aber da kamen die Makkabäer, der Davidische Reflex, und das Griechentum wurde überwunden. Die dritte Phase nun trat ein mit dem Kampf des Pharisäismus gegen den Sadduzäismus, der Analogie zur Teilung des Reiches in juda und Israel. Hier flicht der Autor eine Huldigung ein für die Pharisäer. »Ihnen war »das Leben nur der Religion willen da« (130), Und jetzt endlich wird nun auch auf Grund dieser Lehre der Pharisäer die diesseitigeGlückseligkeit verworfen gegen die jenseitige Seligkeit. Jetzt tritt das Sanhedrin in Analogie zu den Prophetenschulen. Auch des Jesu von Nazareth wird hier gedacht, der »nicht der Einzige« .war, der »die messianische Idealität zur Wahrheit zu machen sich bestrebt hatte« (S. 131). jetzt aber rettet Rabbi jochanan ben Sakkai das Judentum uud damit das Fundament der messianischen Welt durch die Schule, durch die er den Tempel ersetzte. Jetzt kommt das neue Moment der Theorie, der »Intelligenz« in die Formation des Judentums. Die dritte Periode ist demgemäß nur die Fortsetzung dieses nunmehr intellektuellen Charakters. »Die geschichtliche Tätigkeit des Judentums in den siebzehn Jahrhunderten der Zerstreuung war eine theoretische, auf den gedankenmäßigen Aufbau seines Lehrbegriffes