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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 362

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte
Date
1917-01-01
Page
Seite 362 (sequence 7)
Language
German
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362 Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte. Ebenso spricht er auch die grundlegende Überzeugung aus, daß es im Wesen des'judentums liegen müsse, diese beiden Faktoren, das religiöse und das soziale Moment, zur Erscheinung zu bringen. Die VerbindungdesReligiösen und Politischen, die Einheit der überweitliehen Gottesidee und des Staatslebens, wird das »Ideal des Judentums«. Mit diesen Ausführungen ist der ganze dialektische Wider- Spruch beseitigt — wenn anders der Messias in der Vollendung seiner Idee nur als der der Menschheit gedacht sein kann. Nur im Beginne der Geschichte sollen diese beiden Faktoren noch »auseinanderstehen,« während in Wahrheit bereits im Bunde Gottes mit Abraham, ja in dem mit Noah, schon der Vorblick des Messias entgegenleuchtet. Hier aber soll erst mit dem Buche Josua, »mit dem Lager zu Gilgal« das »erste Blatt der jüdischen Geschichte beginnen;« der Pentateuch bilde nur »die interessante Einleitung.« Wahrlich, Frankel hat ein sehr geduldiges redaktionelles Gewissen bewiesen. Die erste Phase nun in der ersten Periode kämpft zwar noch mit dem Heidentum, dennoch aber »war das religiöse Moment doch nicht ganz null.« (S. 93). Feine Bemerkungen zeichnen hier besonders den religiösen Charakter der Deborah. Die zweite Phase beginnt mit Samuel und seiner Prophetenschule, aus der der Psalmensänger Assaf hervorging, der vor David diese Dichtungsgattu ng geschaffen habe (95). Mit David aber erst und seiner Poesie wird die Religion im Volke lebendig. Diese Reife der Nation, welche die Stammesverfassung zur Staatsverfassung sich verwandeln läßt, bezeugt sich hinwiederum in dem religiösen Aufschwung, dessen Symbol der Salomonische Tempelbau bildet, während zugleich die Literatur aufblüht und im Maschal sogar eine Analogie zur Philosophie hervorbringt. Die dritte Phase, bei der Teilung des Reiches entstehend, bringt mit dem Niedergang des politischen Moments das religiöse zum Steigen. Ihr Produkt ist das Prophetentum, »besonders das letzte^ das unstreitig aus den Spaltungen des Reiches hervorging« (S. 122). Indessen wird der religiöse Charakter des Prophetismus nicht auf die nachexilischen Propheten beschränkt, sondern Jesaja,

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