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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 361

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte
Date
1917-01-01
Page
Seite 361 (sequence 6)
Language
German
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Graetzens Philosophie der jüdischer! Geschichte. 361 wir diese Nachschrift erlangt hätten; aber die Hauptsache bleibt, daß nunmehr »im wesentlichen« Übereinstimmung erzielt worden war; Und in der Tat lassen sich in der ganzen ferneren Abhandlung nur geringe Spuren noch von dem ursprünglichen Irrtum erkennen. Der eigentliche Fehler bei dieser ganzen Unterscheidung von Politik und Religion hat darin seinen Grund, daß die Vereinigung dieser beiden angeblichen Gegensätze nicht in der sozialen Ethik erkannt wurde, welche einerseits der Politik, andererseits aber derReligion angehört Und von der sozialen Ethik aus wäre dann auch die Brücke geschlagen worden für das Individuum, das ebenso zwischen Politik und Religion siel! als Problem erhebt. Dieser ethische Grundmangel verrät sich ja ganz deutlich in der versuchten Begründung der Staatslehre auf die Glückseligkeit. Würde sie dagegen auf die Pflicht und auf die in der Pflicht basierte Liebe begründet worden sein, so wäre alle Antinomie mit einem Schlage ausgeglichen. Die Religion mußte Politik werden, sofern sie zur Pflicht der Menschenliebe die Bürger erziehen sollte. Und ebenso mußte die Politik Religion werden, sofern alle national-politische Gemein- Schaft um die beiden Pole sich drehen muß, deren einer das Individuum, der andere aber die gesamte Menschheit ist Der Gegensatz zwischen Politik und Religion wird durch den Messianismus aufgehoben, der ebenso der Gipfel, wie die Wurzel des Monotheismus ist. Graetz teilt nun die jüdische Geschichte in zwei Hälften und drei Perioden ein, deren jede in drei Phasen zerfällt. Und schon die beiden Hälften erleiden diese falsche Charakteristik. »Die Träger des ersten geschichtlichen Zeitraumes sind politische Bürger, Kriegshelden, Könige mit nur geringem religiösen Anflug, die des zweiten Zeitraums sind fromme Männer, Weise, Lehrer, Schüler, Sektierer, die nur ein^schwaches soziales Interesse haben«. <S. 91). Aber die Einschränkung folgt auf dem Fuße. Haben die Propheten nicht schon die Religiosität der ersten Periode vorbereitet? Mit dieser Frage allein wird die Charakteristik der ersten Periode hinfällig. Und Graetz selbst tritt schon hier für die »unteilbare Einheit« des Judentums ein.

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