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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 360

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte
Date
1917-01-01
Page
Seite 360 (sequence 5)
Language
German
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360 Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte. Gerechtigkeit, der die Staatsidee vertritt, stellt er die Tugend als das Prinzip des Individuums, und er begründet den Zusammenhang zwischen dem Monotheismus und der individuellen Sittlichkeit aus dem Zusammenhänge des Gebots der Liebe zu Gott mit dem »Höre Israel«. »Liebe kann nur von dem Individuum gcfordert werden, das sich als selbständiges anerkannt siehet, sich in seiner Unmittelbarkeit dem, der die Liebe fordert, nahestehend fühlt.« Und so endlich ist auch »der göttliche Gesetzgeber selbst nicht nur der Gott des Landes, sondern der der ganzen Erde.« (S. 90). Das sind goldene und klare Worte, die in der heutigen Zeit besonders wieder ihre lehrhafte Bedeutung gewinnen sollten. Die Religion des Monotheismus ist durch diese Befreiung von einer ihr Wesen angreifenden Komplikation antinomischer Begriffe ebenso gegen den Pantheismus, wie gegen den politischen Nationalismus, in ihrer Reinheit gewahrt, und die Geschichte der Juden ist dem Irrlicht entrückt, das in jedem anderen Leitstern erkannt werden muß, der, außer der Religion allein, zu ihrem Prinzip erhoben würde. Und was hat der junge Historiker, der bis dahin vorwiegend in der religionsphilosophischen Literatur, in der Geschichte des Gnostizismus, gearbeitet hatte, auf diese Zurecht- Weisung seines Weges nunmehr getan, und hat er etwa, nur dem Zwange folgend, seine Disposition abgeändert, oder aber hat er die Richtigkeit der redaktionellen Kritik begriffen, und ist es ihm etwa sogar auch leicht geworden, sich ihr unterzuordnen, weil er im Grunde selbst schon auf dem rechten Wege sich fühlte und nur von den damaligen Zeiiströrnungen, den philosophischen und den politischen, abgelenkt wurde, welche nicht in gleichem Maße, wie er selbst mit seinem ganzen Wissen und Denken, in dem religiösen Mutterboden des Judentums wurzelten? Am Schlüsse des Aufsatzes berichtet Frankel, daß Graetz ihm eine »Nachschrift« gegen die von ihm erteilte »Rüge« eingesandt habe: »Wir freuen uns, daß der Verfasser im wesentlichen mit unserer Ansicht übereinstimmte, und bedauern nur wegen Gedrängtheii des Raumes diese Nachschrift hier nicht wiedergeben zu können« (S. 421). Es wäre gewiß lehrreich gewesen, wenn

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