Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 4)
- Language
- German
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Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte. 358 herausgerissen, und so ist das Judentum zwar zu einer eudämonistischen Bodenständigkeit gekommen: wie steht es dabei aber um die Religion des Geistes, als Gegensatz gegen die Vergötterung der Natur? Zudem war auch die Konsequenz nicht gescheut worden: »Die Fortdauer der Seele hat so wenig im Judentum Raum, als etwa das Dogma von der Transsubstantiation. Das Judentum ist keine Religion für das Individuum.« Und trotz aller dieser Abstriche soll das Judentum ein Monotheismus des Geistes-sein! In diesen Paradoxien konnte die Frage nach dem Wesen des Judentums nicht hängenbleiben. Hier mußte dem kühnen Verfasser der Redakteur in den Arm fallen und ihm das Konzept zurechtrücken. Und hier können wir uns nun an einem Glanzpunkte der ruhigen Klarheit, der gediegenen Sicherheit, der Gesundheit, wie ,nicht minder aber auch der philosophischen Tiefe erfreuen, welche Frankel bei diesem verhängnisvollen Ansturm bewiesen hat. Er machte zunächst das Recht des Redakteurs gegen seinen Mitarbeiter geltend und berichtigt in einer längeren Anmerkung dessen irrigen Standpunkt. Der Monotheismus sei keineswegs als ein sekundäres Prinzip zu denken; vielmehr seien die Einzigkeit und die Außerweltlichkeit Gottes »nur ein unzerteilbarer Begriff.« »Daß ein Gott sei, brauchte das Judentum bei seinem Eintritt nicht zu verkündigen; aber daß nur Ein Gott sei, dieses war sein eigentliches Prinzip.« So wird die Steinheimsche Hypothese von Gott — Geist, als ein den Monotheismus »unterminierender« Gedanke von Frankel zurückgewiesen. Ebenso wird aber auch die Politisierung und Lokalisierung des Judentums in ihrer Irreligiosität enthüllt. »Welche Verbindlichkeit könnte die Thora für den von diesem Boden Fortgerissenen haben? Die Hoffnung auf die Wiederherstellung des Staates und auf den Messias dürfte ein schwaches Relief für eine solche Verpfiichtung abgeben.« Auch auf den falschen Gegensatz zwischen Staat und Individuum, der die Konsequenz dieses Irrtums bildet, weist Frankel in ethischer Klarheit hin. Neben den Faktor der