Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 3)
- Language
- German
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358 Graetzens Philosophie der jüdischen Geschichte. stimmtheit, die alsdann aber ausserhalb des transzendenten Gottes•׳ begriffes liegen müßte! Worin könnte eine solche Ergänzung zum Monotheismus bestehen? Der Autor fährt fort: »So schwebt die transmundane Gottesidee nicht in der ätherischen Region des Gedankens,, sondern schuf sich eine konkrete Volkssubstanz: eine adä~ quate Staatsverfassung sollte der lebendige Träger dieser Idee sein . . . Die Gottesidee soll zugleich Staatsidee sein.« Also das ist die Ergänzung, deren der Monotheismus bedarf: sie vollzieht sich aber in zwei Begriffen, nämlich der Volkssubstanz und der Staatsverfassung. Sind diese beiden Begriffe etwa identisch? Und wenn es ferner zuerst schien, als ob die abstrakte Gottesidee in der Volkssubstanz konkret werden sollte, so wird schließlich erst die Staatsverfassung zur Realisierung dieser Idee. So sehen wirGraetz am Scheidewege zwischenReligion einerseits und Nation und Staat andererseits. Und mit aller Schärfe formuliert er seinen Widerspruch gegen die gewohnte Auffassung. »Allein ist auch Gott Anfang und Ende dieser civitas Dei, so ist er nicht ihr Zweck, der vielmehr ein eudämonistischer sei«: »damit es dir wohl ergehe auf dem Boden, den der Herr dir geschenkt.« Dieser Eudämonismus gelte indessen nicht dem Individuum, sondern der Gesamtheit, dem Volksindividuum. Hierbei werden nun die bedenklichsten Aussprüche gewagt: »das Judentum ist im strengen Sinne gar nicht Religion .. sondern es ist in diesem Sinne ein Staatsgesetz« (S.88). Eine verdächtige Reminiszenz aus Spinozas Verlästerung des Judentums klingt hier nach. »DasGesetz. ist die Seele, das heilige Land der Leib dieses eigentümlichen Staats- Organismus.« »Die Thora, die israelitische Nation und das heilige Land stehen in einem, ich möchte sägen, magischen Rapport, sie sind durch ein unsichtbares Band unzertrennlich verknüpft.« (S. 89.). Lind nun kommt in der Manier unseres Graetz, wie wir seinen affektvollen Stil von seinen Lehrvorträgen her kennen, eine Sturmflut von Sätzen gegen das »sublimierte, idealisierte Judentum,« das nur ein »Schatten« sei und eine »trockeneHülse.« Indessen hat die »saftige: Frucht« diesem national-politischen Judentum den Kern der Religion