Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 32)
- Language
- German
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302 Heinrich Graetz. das deutsche Volk schleuderte, und der dann in der Siegesfreude über den Erfolg seiner Tat, den Pelion auf den Ossa türmend, zu der Anklage des Deutschenhasses auch noch die des Christen״ hasses hinzufügte. Wir geben zu, daß vielleicht das eine oder andere Wort, die eine oder andere Wendung ungeschickt war, eine ruhige Erwägung aber wird den deutschen Patriotismus Graetzens schon im Hinblick auf seinen Lebensgang, den wir deshalb oben skizziert haben, nicht in Frage stellen. Graetz stammte aus Posen, wo die Juden von jeher ein starkes gcrmanisatorisches Element bildeten, das der preußische Staat gewiß nicht entbehren möchte. Graetz kämpfte aber auch für sein Deutschtum mit einer Hingebung, deren sich Wenige rühmen können, die auf gebahnten Wegen ihre Studien absolvieren und nachher im Genuß einer Professur ihren Patriotismus ausschroten. Graetz konnte auf eine staatliche Versorgung nicht zählen und hat sie nie erreicht. Aber er hat gedarbt und entbehrt, um deutsche Bildung und deutschen Geist sich anzueignen und ein monumentales Werk zu schaffen, das für alle Zeiten einen Ehrenplatz in der gesch ichtl ichen Literatur Deutschlands einnehmen wird. Weiß Herr v. Treitschke, der preußische Hofhistoriograph, von Opfern und von Kämpfen zu erzählen, die er zugunsten des voei ihn! zur Schau getragenen Deutschtums gebracht und überstanden hat? Nicht besser als mit der Anklage des Deutschenhasses steht es mit der des Christenhasses. Letztere hätte überhaupt Herr v. Treitschke, da er nur Hofhistoriograph des preußischen Staates, aber nicht des Christentums ist, den Theologen überlassen sollen. Aber diese erhoben sie nicht. Und mit Recht. Denn Graetz ging in seiner Rücksichtnahme gegen das Christentum so weit, daß er in der ersten Auflage die Entstehungsgeschichte des Christentums — man denke: in einer Geschichte der Juden! —"ganz überging und sie erst in den nachfolgenden Auflagen behandelte. Daß er sich nicht vor dem »welthistorischen Erfolge beugte« und die neutestamentliehe Zeitgeschichte von seinem Gesichtspunkte aus darstellte» kann ihm bei keinem, der nicht preußischer Hof h istoriograph