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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 350

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Heinrich Graetz
Date
1917-01-01
Page
Seite 350 (sequence 30)
Language
German
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350 Heinrich Graetz. folgten Umwandlung gehört haben mochte, clie Mitteilung machte: »Elia Gans ist da,« erwiderte sie witzig: »Elia Gans mag da sein, aber ganz Elia ist nicht mehr da«. Auch Heine folgte dem Beispiele seines ob seiner Fahnenflucht von ihm getadelten Vordermannes, was man als einen Beweis dafür ansehen mag, wie wenig diese Männer an eine geistige und politische Auferstehung der jüdischen Gemeinschaft glaubten, was aber auch geeignet war, den nach Bildung und Freiheit sich sehnenden Juden eher Lauheit gegen ihr Bekenntnis einzuflössen, als sie dafür zu erwärmen. Unter den Einwirkungen dieser Vorgänge entstand die »Geschichte der Israeliten« von jost (in neun Teilen, 1820—1828), und es lassen sich auch die Spuren davon nicht darin verkennen. Sie wird als erster Versuch dieser Art immer ihren geschiehtliehen Wert beanspruchen können, aber abgesehen von der unzulänglichen Quellenkenntnis, die sich darin kundgibt, zeigt der Verfasser sich selbst von seinem Gegenstände wenig erbaut, ja er befleißigt sich einer fast bis zur Preisgebung des eigenen Bekenntnisses gesteigerten Objektivität, die ihm denn auch gelegentlich der Besprechung eines seine Geschichte ergänzenden Werkes von einem christlichen Rezensenten1) die Mahnung zuzog: »Beugt man sich dann so wie jost vor dem welthistorischen Erfolge, so sollte man auch keinen Anstand nehmen, sich taufen zu lassen.« Damit war die Josfsche Geschichtsschreibung ganz richtig beurteilt, aber auch verurteilt. Sie konnte weder jüdischen, noch christlichen Lesern Befriedigung gewähren. Hier war denn der Punkt gegeben, wo Graetz einset2te. Er hatte den Mut seiner Meinung, denn auch ein Historiker darf wohl seine Meinung haben. Das Quintilianische Werk: »Pectus est enim, quod disertos facit«, gilt auch für den Historiker. Die Überzeugung allein kann ihm die Sprache in die Feder flößen, welche auch andere überzeugt, und er tut nur seine Schuldigkeit, wenn er die Sache, die sich ihm quellenmäßig als 1)Wie der Vf. mitteilt, stand dieser Artikel in den »Unter* Haltungen am häuslichen Herd« Jahrgang 1857, S. 704.

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