Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 29)
- Language
- German
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Heinrich Graeiz. 349 wie aufschlußreiche jüdische Literatur, weiche den Zeitraum der Diaspora ausfüllt, und welche teils in hebräischer, teils in arabischer Sprache abgefaßt ist, blieb den Christen wegen der Schwierigkeit dieser Idiome zumeist verschlossen, und, wenn es auch unter ihnen seit dem Reformations-Zeitalter ausgezeichnete Hebraisten gab, so wurden dieselben von jener Literatur vorwiegend durch das sprachliche, nicht durch das geschichtliche Interesse angezogen. Den Juden aber war in ihrer geistigen Vereinsamung das Versländnis für den allgemein geschichtlichen Wert ihres liierarischen Besitztums, sowie der wissenschaftliche Sinn vollständig abhanden gekommen, und es blieb erst Mendelssohn Vorbehalten, beide wieder zu erwecken. Es war eine Nachwirkung der von diesem großen Lehrer der deutschen Juden ausgegangenen fruchtbaren Anregungen, daß im Jahre 1819 in Berlin ein Verein »fürj,Kultur und Wissenschaft der Juden« entstand, zu dessen Gründern Männer gehörten, die nachmals zu allgemeiner Bedeutung gelangten, wie Eduard Gan s, der als Rechtslehrer an der Berliner Universität glänzte, der Kantianer Lazarus Bendavid, der Dichter Heinrich Heine, Leopoid Zunz u. A. Doch hat eigentlich nur der Letztgenannte durch seine von Heine noch auf seinem Sterbebette bewunderte Hingebung und Ausdauer, wie durch seine für die jüdische Wissenschaft grundlegend gewordenen Schriften die Zwecke jenes Vereines nachhaltig vertreten und gefördert. Die Übrigen besaßen zumeist von Haus aus nicht die erforderliche Festigkeit, oder diese wurde durch die judenfeindliche Strömung, welche den Aufschwung des deutschen Bewußtseins nach den Befreiungskriegen begleitete, ins Schwanken gebracht. Eduard Gans, der an der Spitze des Vereines stand, vergaß, wie Heine bemerkt, die Pflicht des Kapitäns, das sinkende Schiff zuletzt zu verlassen, und ließ sich zuerst taufen. Man erzählt davon eine hübsche Anekdote. Er wurde von Paris, wo er sich aufhielt und wo er mit seinem hebräischen Vornamen Elia auch seine Konfession abgelegt hatte, eines Tages an das Sterbebett einer nahen, erblindeten Verwandten nach Berlin berufen. Als man der klugen Frau, die wohl von der er״