Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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ri ein rieh Qraetz. 348 Anhang. Aufzeichnungen des Dr. Gr&etz über seinen Lebensgang. (Akten der Kommerzienrat Fränckelschen Stiftungen betr. den Seminar-Lehrer Dr. Graetz, fol. gf.). Im Jahre 1817 in einer kleinen Stadt des Großherzogtunis Posen geboren, entwickelte sich in mir frühzeitig, ehe ich noch die Elementarschule verlassen hatte, eine entschiedene Neigung für Wissen überhaupt und namentlich für Religion, Bibelkunde und die hebräische Sprache. Dieser Wissensdrang bestimmte meine Lebensrichtung. Meine Eltern, obwohl wenig bemittelt, nährten diese Neigung in mir gaben mir die besten Lehrer und brachten die größten Opfer, um meinen Eifer nicht erkalten zu lassen. Weil aber der Aufenthaltsort meiner Eltern keine Gelegenheit zu einer höheren Aus bildung bot, schickten sie mich im dreizehnten Jahre nach einer größeren Stadt, wo ich neben den jüdisch-theologischen Lehrgegenständen auch Lateinisch, Französisch und anderes Wissenwerte erlernte. Je tiefer ich in die Lehren des Judentums eindrang, und je reifer mein Bewußtsein wurde, desto unabweisbarer machte sich in mir das Bedürfnis geltend, die Wahrheiten des Judentums wissenschaftlich zu erfassen. Ein Mann, welcher in jüdischen Kreisen den Ruf genoß, daß er Judentum und Wissenschaft zu verbinden wisse, der damalige Landrabbiner des! Großh erzogt ums Oldenburg, zog mich an sich, und unter seiner Anleitung war es mir vergönnt, während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Oldenburg meine jüdisch-theologischen Kenntnisse zu erweitern und mir die Kenntnis der Gymnasial-Gegenstände sowie der philosophischen Propädeutik anzueignen. Um mir die Mittel für die Universitäts-Studien zu verschaffen, war ich genötigt, nach meiner Entfernung von Oldenburg eine Hauslehrerstelle anzunehmen.